Klöster gelten als Bewahrer von Kulturgut. Welche Funktion Kunstsammlungen im 17. Jahrhundert hatten und was Mönche heute sammeln, beschreibt Pater Klaudius Wintz, Kustos der Kunstsammlungen desStifts Kremsmünster, im folgenden Beitrag.
Klöster – so einer der kulturpolitischen Gemeinplätze – sind Bewahrer von Kultur. Diese Binsenweisheit bezog sich ursprünglich auf den Übergang von der Antike zum Mittelalter. Klöster waren neben der kirchlichen Hierarchie die einzig überlebenden Institutionen, die die Wirren der Völkerwanderungszeit überstanden. Hier wurde Wissen bewahrt, Baukunst gepflegt und eine Spielart christlicher Kultur begründet.
Abtei als Einnahmequelle. Die Gegenreformation ordnete den Klöstern in Österreich staatstragende Rollenbilder zu, genauer müsste man sagen: deren Äbten. Ein kaiserlicher Finanzminister, Anton Wolfrath, beispielsweise arbeitete im Wien des 17. Jahrhunderts. Seine Abtei Kremsmünster hatte die Aufgabe, seinen Lebensstil zu finanzieren, die dem Stift zugeordneten Grundherrschaften wurden als Mustergüter der Gegenreformation geführt. Ein solcher Abt war von den Moden des Wiener Hofes geprägt, zu denen es gehörte, Kunst zu sammeln – und zwar jene Kunst, die der Kaiser selbst schätzte.
Sammlung als Leistungsschau. Solche Sammlungen hatten vorrangig die Aufgabe, darzustellen, was sich ein solcher Abt leisten konnte und wo seine politische Heimat war. Zu Recht nennt man solche Sammlungen deshalb „Repräsentationssammlungen“, weil sie Stand und Potenz des Sammlers darstellen. Dieses System ist auf fast alle Sammlungen der damaligen Zeit übertragbar. So wundert es nicht, dass kirchliches und klösterliches Sammeln im selben Augenblick aufhörten zu existieren, als die staatstragenden Funktionen erloschen. In Österreich war dies spätestens mit der Bauernbefreiung des Jahres 1848 der Fall. Was bleibt, ist konservatorisches Bewahren, ein Sammeln von Altertümern und volkskundliches Interesse. In dieser Zeit entstehen neue Repräsentationspaläste mit neuen Sammlungen, wie das oberösterreichische Landesmuseum (Eröffnung 1895).
Was Mönche heute sammeln. Man muss sich diese soziologische Analyse gefallen lassen, will man begreifen, was Kunst im Kloster heute bedeutet. Ein repräsentatives Erbe kann gepflegt werden, auch wenn es wenig mit der heutigen Klosterkultur zu tun hat und die Mitbrüder solche Ansprüche begraben haben. Gerade dadurch wird geistiger Raum frei, um sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Die Mönchszellen und Gemeinschaftsräume des Stiftes Kremsmünster sind durchaus keine Museumsräume, auch wenn die architektonische Substanz aus dem 17. Jahrhundert stammt. Vor einigen Jahren gab es eine Ausstellung im Stift unter dem Thema „Was Mönche sammeln“. Viele waren damals von der Namensliste der ausgestellten Künstler überrascht: Augustiner oder Roppolt hatte man vielleicht noch erwartet, aber Namen wie Rainer, Hrdlicka oder Nitsch waren eher irritierend.
Freude, Trauer, Angst ins Heute übersetzt. Erworben wurden solche Bildwerke aus der Begeisterung einzelner Mitbrüder für eine Zeitgenossenschaft im Sinne des II. Vatikanums: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute … sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Jesu. Fragen an sich heranzulassen, die in den neuen Dialekten der Gegenwartskunst formuliert sind, bildet die Voraussetzung dafür, staunen zu lernen über das Große, das Gott in unserer Zeit wirken will – auch oder gerade außerhalb der gewohnten Trampelpfade der Wahrnehmung. Nicht die fertigen Antworten haben Künstler/innen der Gegenwart zumeist inspiriert, sondern Fragen. Fragen sind es auch, die die Mitbrüder motiviert haben, sich mit Ungewohntem auseinanderzusetzen. Es sind dies gerahmte Fragezeichen wie: „Was inspiriert meine Wahrnehmung?“ und „Worüber kann ich noch staunen?“
- Buchtipp zum Thema: Benediktinische Kunst. Kultur und Geschichte eines europäischen Erbes, R. Cassanelli/E. Lopez-Tello Garcia (Hrsg.), Verlag Schnell und Steiner, Preis: Euro 79,–.