Nicht erst in der Erstkommunion-Vorbereitung interessieren sich Eltern dafür, was ihre Kinder im Religionsunterricht erfahren
Ausgabe: 2008/15, Erstkommunion, Vorbereitung, Sinn des Lebens, Lebenssinn, Eltern, Religionsunterricht, Religion, Schule, Gerlinde Meindl, Tischmütter
10.04.2008
- Judith Moser-Hofstadler
DCF 1.0
Die Erstkommunion ist ein Fest für die Kinder. Doch auch die Eltern und die Tischmütter haben Erwartungen.
Seit fast 20 Jahren arbeitet Gerlinde Meindl als Religionslehrerin. In drei Volksschulen im Innviertel bereitet sie auch heuer die Kinder auf die Erstkommunion vor. Das sind Gruppen von 26, 9 und 16 Kindern in drei verschiedenen Pfarren. Sie koordiniert überall die Feier, sie betreut auch die Tischmütter, und gibt den Eltern Anregungen, wie sie die Kinder zu Hause begleiten können.
Entlastung in der Schule. „In den Schulen funktioniert das recht fein“, sagt sie, „weil die Klassenlehrerinnen sich sehr verantwortlich fühlen dafür, dass das Fest gut gelingt.“ Für die Erstkommunion in diesem Jahr hat Gerlinde Meindl das Thema „Der Gute Hirte“ gewählt. Die Klassenlehrerinnen haben dazu mit den Kindern Schafe gebastelt. Auch die musikalische Gestaltung übernehmen die Schulen. „Das ist ganz selbstverständlich, dass auch alle Kindern von den anderen Klassen mittun. Und mit den Proben hab ich gar nichts zu tun“, erzählt die Religionslehrerin.
Vertrautes finden. Gerlinde Meindl hat gemerkt, dass gerade für die Eltern die Erstkommunion mehr ist als ein Fest für ihr Kind. Als in einem Jahr die „Pfälzer Kindermesse“ als Erstkommunion-Musik gewählt wurde, hat eine Mutter gerührt erzählt, dass sie diese Lieder bei der eigenen Erstkommunion gesungen hat. „Mir ist da bewusst geworden, dass auch für die Eltern etwas Vertrautes dabei sein soll“, erzählt Gerlinde Meindl. Sie schweift deshalb von den Symbolen „Brot und Wein“ nicht weit ab, weil sie meint, das Verständnis für Symbolik sei ohnehin nicht zu groß. Eine einfache Gestaltung sei für die Kinder und auch für die Erwachsenen besser.
Wünsche für die Kinder. In der Zusammenarbeit merkt Gerlinde Meindl auch, dass es den Eltern wichtig ist, ihren Kindern „eine religiöse Dimension“ mitzugeben, abgesehen vom Materiellen und einer guten Schulbildung. Auch wenn sie selbst nicht so kirchlich leben. Deutlich wird das bei den Elternabenden. Wenn etwa die Eltern „Segensblumen“ für ihre Kinder basteln und als Wunsch für ihre Kinder neben einem guten Leben und Glück auch formulieren, dass sie sich gewollt fühlen sollen von Gott.
Religion bewegt. Die Vorbereitung für die Erstkommunion ist jedes Jahr auch eine große Chance, den Eltern zu begegnen. Viele Eltern achten sehr genau darauf, was im Religionsunterricht gemacht wird. „Schon beim ersten Kontakt mit der Schule fragen Eltern: ,Was gibt es für einen Religionsunterricht?‘. Weil sie wissen, dass etwa Fragen über den Sinn des Lebens in allen anderen Fächern nicht Platz haben.“ Und der Kontakt erleichtert auch die Arbeit später, zum Beispiel, wenn jemand gebraucht wird als Begleitperson bei einem Projekt.
Kinder im Mittelpunkt. Was manchmal schwierig ist, sind familieninterne Konstellationen bei Kindern, deren Eltern geschieden sind, oder wenn eine Familie zerstritten ist. „Dieses Thema muss bei den Elternabenden angesprochen werden“, meint die Religionslehrerin. Hier geht es um Fragen wie: Ist der Vater bei der Vorstellungsmesse dabei? „Da muss man schauen, dass das für alle Beteiligten gut abläuft“, so Meindl.
Vor- und Nachbetreuung. Manche Tischmütter sind enttäuscht, wenn die Kinder nach der Erstkommunion nicht öfter zur Sonntagsmesse kommen. Vor allem ihnen möchte Gerlinde Meindl mitgeben, dass die Erstkommunion ein Fest im religiösen Lebenslauf der Kinder ist. Nicht mehr und nicht weniger. „Wenn das als schöne Erinnerung bleibt, hat das einen großen Wert“, sagt Gerlinde Meindl dazu. Wichtig sei eine gute Kinderliturgie in der Pfarre – vor und nach der Erstkommunion. Dann kann die Erstkommunion ein schönes Fest sein und muss nicht eine Stichflamme werden.