„X. grüßt seine Gäste“, steht an der Einfahrtstraße. „Herzlich willkommen im N“ heißt es in Eingangshallen von Häusern mit viel Personenverkehr. Man grüßt schriftlich und heißt buchstäblich willkommen. Auch Bildschirme und Leuchtschriften geben sich freundlich. Doch ehrlicherweise müsste es heißen: „Entschuldigen Sie, aber bei uns hat niemand Zeit, Sie persönlich zu begrüßen“. Und diese Entschuldigung hätte denselben Makel. Es ist keiner da, der es wirklich tut. Da bekommt man Geburtstagsmails von Firmen, bei denen man etwas bestellt hat. Außer dem Computer weiß dort es niemand – und der tut’s, weil er nicht anders kann. Freundlichkeit ist zu einer Sache des Systems geworden, eine Herausforderung für Programmierer. Da schlägt kein Herz dafür. Teilnahme und Anteilnahme. Persönliches Dafürstehen. Leibhaftiges Eintreten. Das wird mehr und mehr als unproduktiver Luxus gesehen, den man wegrationalisieren kann. Eine neue Art Leibfeindlichkeit greift um sich. Da ist alles nur mehr als ob. Und keiner ist da. Christen glauben an die Auferstehung des „Fleisches“. An das Dasein. An Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Der digitale Himmel allein verdient keinen Glauben.