Die Naturschutzjugend Haslach ist seit fast 35 Jahren im Bereich Schöpfungsverantwortung aktiv, auch wenn sie nicht ausdrücklich von Schöpfungsverantwortung spricht.
Von den frühen Jahren bis in die heutige Zeit verknüpfen die in der Naturschutzjugend engagierten Menschen ihr Tun mit schulischen Aktivitäten. Karl Zimmerhackl, Leiter der Haslacher Gruppe und Pädagoge, weist auf die Regierungserklärung der österreichischen Bundesregierung hin: Jeder Schüler/jede Schülerin soll zumindest einen Tag in einem Nationalpark verbringen. Die 4. Klasse der Neufelder Volksschule verbrachte jetzt gar eine Woche im Wildniscamp im Bayrischen Nationalpark. Die Schüler/innen, Begleitpersonen und die Eltern waren begeistert. Begeisterung durch Erlebnis entfachen – das vermag die Lehrmeisterin Natur, das trägt auch die Haslacher Naturschutzarbeit.
Was ein Zaunkönig alles kann
Das Engagement der Naturschutzjugend Haslach hat 1974 begonnen. Später, ab 1986 – bei Grundzusammenlegungen in Ulrichsberg – konnten die Naturschützer ökologische Aspekte einbringen. Und sie sind bis heute mit großem Einsatz bei der Sache – für die Schwalbe, den Luchs, die Flussperlmuschel, den Weißstorch, gefährdete Haustierrassen, für Ökoinseln, Teiche, Tümpel, Weiher ...
Schüler/innen sollen die Natur verstehen durch Erleben und Entdecken. Viele Projekte hat die Haslacher Naturschutzjugend ÖNJ mit „Teamleader“ Hauptschullehrer Karl Zimmerhackl und anderen Öko-Fachleuten schon durchgeführt. So seit fast 30 Jahren die Schwalben-Brutpaare-Zählung, bei der Schulkinder mitmachen. Sie kommen auf die Höfe und erleben mehr als brütende Schwalben: Die Katze, die am Ventil eines Rades spielt. Die Kühe, die gemolken werden, und das eine oder andere Kind probiert selbst das Melken. Und warme Kuhmilch. Wird sie schmecken? – Die Kinder kosten und sind begeistert: „Die schmeckt super.“ Ein Jahr später dann die Frage: „Gehen wir wieder zum Bauern mit der guten Milch?“
Ökoinseln. Kinder helfen auch beim Anlegen der Ökoinseln. Seit Jahren werden Restgrundstücke mit Hilfe der Naturschutzabteilung des Landes OÖ aufgekauft, bisher schon 60 Hektar! Schulkinder entfernten Fichtenwald, um der ursprünglichen Fauna Lebensraum zurückzugeben. – Naturschützer als Partner von Beamten und Bauern.
Torf-Au. Die Torf-Au, ein Feuchtgebiet an der Großen Mühl in Ulrichsberg, ist eine ökologisch sehr wertvolle Fläche. Etwa 400 Schmetterlings- und 65 Vogelarten, viele vom Aussterben bedroht, haben ihre Heimat hier. Die Flussperlmuschel, sie kann 130 Jahre alt werden, ist die Perle der Torf-Au. Sie hat aber einen schweren Sitz in ihrem Wasserleben. Denn Gülle, Phosphate und Gifte sowie die Versauerung der Fließgewässer machen ihr das Leben sauer. Ein Zaunkönig-Nest am Ufer der Mühl erregte damals die Aufmerksamkeit und hat das Langzeitprojekt der Naturschutzjugend ausgelöst.
Nationalpark Sumava. Der Eiserne Vorhang trennte lange das Mühlviertel und Südböhmen. Nicht trennen ließen sich die Naturschützer schon vor dem Fall des Kommunismus („Natur an der Grenze“ hieß das gemeinsame Projekt), erzählt Karl Zimmerhackl. Nach der Grenzöffnung festigte sich die Zusammenarbeit weiter. Südböhmen hat einen schönen Nationalpark, wozu auch oberösterreichische Menschen ermutigten. Leider weiß man auf österreichischer Seite wenig mit dem Nationalpark anzufangen, bedauern Zimmerhackl und andere Naturschützer. Die Weißstörche fühlen sich in Südböhmen wohl. Sie brauchen weite Wiesen und Weiden. Im Mühlviertel sind sie noch nicht lange wieder daheim. Den ersten Horst bauten sie in Freistadt. Haslach und Bad Leonfelden folgten.
Naturschutzjugend Haslach
Die ÖNJ Naturschutzjugend Haslach stützt sich auf 470 Förderer. Die Arbeit leisten fast ausschließlich Ehrenamtliche. Zu den Projekten gehören auch neue Perspektiven für alte Haustierrassen, etwa das Waldschaf. Seit etlichen Jahren führt ein Bauer das Projekt Waldschaf wirtschaftlich weiter. Wie unterscheiden sich Rauch- und Mehl-schwalbe? Seit die Schüler/innen beim Schwalben-Zählen den Unterschied sehen, ist dieser ganz einfach zu vermitteln. „Was habe ich mich früher geplagt in der Schule!“, sagt Karl Zimmerhackl. Während er erzählt – es ist Mittagszeit, 11. April und die Tür zum Garten ist offen – horcht der Biologie-Lehrer auf und macht mich aufmerksam: „Die Mönchsgrasmücke hört man heute zum ersten Mal.“ Und ein paar Minuten später die Ergänzung: „Den Gartenrotschwanz auch.“
Luchs und Zimmerhackl
Der Hauptschul-Biologielehrer Karl Zimmerhackl arbeitet seit Langem im Unterrichtsministerium und Landesschulrat an der Ökologisierung von Schulen mit. Seit ihrer Gründung ist er bei der Naturschutzjugend Haslach engagiert. „Es muss für jeden genug sein!“ – Dieser Satz eines Fischteichbesitzers in der Dokumentation über Alpenlachse in der Sendung „Universum“ ist für Karl Zimmerhackl ein Schlüssel für Naturschutz und Ökologie. „Es reicht eh“, also: kein Grund, dem Luchs neidisch zu sein, weil er auch Jäger ist.
Fred Klapper
Wolfgang Zöhrer, Grafiker in Aigen, hat 2004 ein Buch mit herzerfrischenden Illustrationen dem Mühlviertler Storch gewidmet: Fred Klapper, 64 Seiten, Euro 14,– ist beim Künstler und in Restexemplaren bei der ÖNJ Haslach erhältlich.