Linzer Filmfestival „Crossing Europe“ geht in fünfte Runde
Ausgabe: 2008/16, Krieg, Marokkaner, Filmfestival, Vorauer, Crossing Europe
16.04.2008
- Markus Vorauer
Migration und Krieg sind die zwei großen Themenkreise, die sich beim Filmfestival „Crossing Europe” wie ein Leitfaden durch zahlreiche der 150 präsentierten Filme aus 32 Ländern ziehen. Das Festival findet von 22. bis 27. April zum fünften Mal in Linz statt.
Das besondere Interesse für die oft komplizierten Lebenswege von Immigranten, das den europäischen Film seit geraumer Zeit auszeichnet, wird durch die sehr facettenreiche Programmierung der Festivalverantwortlichen Christine Dollhofer nachdrücklich belegt. Vor allem sind es Filmemacher aus den Schwellenländern zum afrikanischen Kontinent, die sich dem Problem der Einwanderung konsequenter stellen als viele Politiker, die nur zu oft von Verdrängungsmechanismen geleitet werden.
Die Neidgesellschaft. Im französischen Wettbewerbsbeitrag „Andalucía“ von Alain Gomis kann sich der aus Algerien stammende Protagonist Yacine nicht wirklich im Arbeitsleben in Paris integrieren. In einem Wohnwagen lebend fühlt er sich eher zu Obdachlosen hingezogen und zu einer Gruppe von Senegalesen, mit denen er ein Theaterstück über Sklavenhandel aufführen will. Der italienische Film „Riparo“ (Zufluchtsort) von Marco Simon Puccioni konfrontiert die wohlhabende Erbin eines Schuhfabrikanten mit den realen ökonomischen Tatsachen einer Neidgesellschaft. Vom Urlaub im nördlichen Afrika zurückgekehrt, entdeckt sie im Kofferraum einen jungen Marokkaner, den sie bei sich aufnimmt. Doch der Wille zur Überwindung ethnischer und sozialer Grenzen wird schnell entzaubert.
Auswirkungen des Kriegs. Der zweite Themenkreis fokussiert einerseits die fortdauernden psychischen und ökonomischen Auswirkungen des Krieges in Ex-Jugoslawien, wie beispielsweise in „Jas sum od Titov Veles“ (Ich bin aus Titov Veles) von Teona Strugar Mitevska oder in Stefan Arsenijevic „Ljubav i drugi zlocini“ (Liebe und andere Verbrechen).Anderseits begibt sich „Crossing Europe“ heuer auch verstärkt an die Ränder Europas in medial vernachlässigte Gebiete, die durch jahrelange Kriege nicht nur landschaftlich zerstört wurden. Die ständige Präsenz fremder Militärmächte in kurdischen Gebieten und in Tschetschenien hat die dort lebenden Menschen nachhaltig zermürbt, sodass es wie ein Wunder wirkt, dass sich überhaupt noch Spuren von Humanität in diesen Regionen finden lassen.
Großmutter im Militärcamp. Zwei herausragende Werke seien hier noch hervorgehoben: In „Alexandra“, dem neuen Film des großen russischen Regisseurs Alexander Sokurov, besucht eine 80-jährige Großmutter ihren Enkel in einem Militärcamp in Tschetschenien. Dort wird der Alltag durch Exerzieren, Waffenreinigen und Körperdrill bestimmt. „Alexandra“ ist ein Kriegsfilm ohne Kriegsbilder, eine Reflexion über das Menschsein angesichts grassierender Zerstörung, über Weisheit im Alter: „Ihr könnt nur zerstören. Wann werdet ihr lernen, etwas wiederaufzubauen?“ Der Film „Dol“ von Hiner Saleens (Im Tal der Trommler) führt in das Grenzgebiet Türkei – Irak – Iran und thematisiert in beeindruckenden Bildern die lebensbejahende Funktion von Musik. - Programminfos unter www.crossingEurope.at, Kartenvorverkauf von 17 bis 22 Uhr im Moviemento Linz oder via A1-freeline 0800/664 060.