5. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 20. April 2008
Ausgabe: 2008/16, Sonntag, Herr, 5. Sonntag der Osterzeit, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag, Elisabeth Rathgeb, Petrus, Johannes, Apostelgeschichte
16.04.2008
Wintereinbruch mitten hinein in den aufblühenden Frühling. Heuer mehrfach erlebt. Ein Bild, das uns die „verwirrten Herzen“ nahebringt, von denen das Evangelium redet, meint Elisabeth Rathgeb in ihrem Kommentar. Wer zeigt uns den Weg in „winterlichen Zeiten“Ʉ
Evangelium
Joh 14, 1–12
Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater, das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir lebt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin, und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
1. Lesung
Apg 6, 1–7
In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden. Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen, wir aber wollen beim Dienst am Wort bleiben. Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.
2. Lesung
1 Petr 2, 4–9
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man stößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Wo geh’ ich hin?
Wo ist der Weg, den ich nicht seh’?
Wer weiß die Antwort auf meine Frage,
Warum ich lebe und vergeh’?
Aus dem Musical „Hair“
An Gott freut sich unser Herz
Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn;
für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben. [. . .]
Singt ihm ein neues Lied,
greift voll in die Saiten und jubelt laut!
Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.
Psalm 33, 1–5
Wort zum Sonntag
Euer Herz lasse sich nicht verwirren
Launisches April-Wetter vor meinem Fenster: Dichte Schneeflocken fallen vom Himmel. Der Wind kann sich nicht entscheiden, aus welcher Richtung er wehen will, die Flocken tanzen wirr durcheinander. Im Nu ist die Frühlings-Landschaft wieder tief winterlich. Die gelben Forsythienblüten schauen noch heraus, aber alle Wege sind unter einer Schneedecke begraben – unsichtbar. Mir kommt dieser Wintereinbruch mitten im Frühling gerade recht, denn welches Bild würde besser zum „verwirrten Herzen“ passen, von dem im Evangelium die Rede ist? Was wirbelt und tanzt heute nicht alles um uns herum an Weltanschauungen, Ideologien und Werbebotschaften, an Krisen und Ängsten, an Hoffnungsbildern, Leitsternen und Visionen? Und wie leicht verschwinden darunter wie im dichten Schneegestöber die Orientierungspunkte, die Markierungen und gangbaren Wege.
Euer Herz lasse sich nicht verwirren, sagt Jesus seinen Jüngern. Er gibt ihnen und uns diesen Satz mit auf den Weg in eine winterliche Zeit: Eine Zeit, die in Frage stellt, was bisher sicher war. Eine Zeit, die eine Zeit des Wartens ist. Eine Zeit, die weniger vom Wissen und mehr von Hoffnung und Vertrauen lebt. Auch in diese unsere Zeit spricht Jesus: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. So lässt sich manche Verwirrung des Herzens klären: Was hätte Jesus in dieser Situation getan? In welche Richtung würde er gehen? Mehr noch: Es wächst neuer Lebensmut und Mut zum Risiko: Es gibt einen Weg. Wir finden ihn, und er findet uns. Wer so in Gott verwurzelt ist, geht nicht in die Irre. Und der Frühling kann kommen.
Zum Weiterdenken
„Ich liebe das Wörtchen Amen, das unser ganzes Glauben und Beten in vier Buchstaben enthält. Es kommt aus dem Hebräischen und heißt übertragen so viel wie: Ich vertraue, ich glaube, ich bin festgemacht.“ (Kardinal Carlo M. Martini und Georg Sporschill, „Jerusalemer Nachtgespräche“). Wozu kann ich in diesem Sinn „Amen“ sagen?
Elisabeth Rathgeb ist Seelsorgeamtsleiterin der Diözese Innsbruck.