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Es muss dieser Blick sein

6. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 27. April 2008
Ausgabe: 2008/17, 6. Sonntag der Osterzeit, Spazierweg, Steine, Evangelium, Lesung, Psalm 66, 1–6. 16.20, Rathgebm Wort zum Sonntag, In jedem Stein ein Schatz, Liebe, Gebote
23.04.2008
Ein ganz gewöhnlicher Spazierweg voller ganz gewöhnlicher Steine. Benjamin (4) sieht aber nur ganz besondere Steine und er sammelt sie voller Leidenschaft. Dieser Blick muss es wohl sein, mit Gott auf uns Menschen schaut: mit diesem Blick der Liebe lässt sich Wertvolles entdecken – in jedem Stein ist ein Schatz verborgen, den es zu sehen gilt.


Evangelium


Joh 14, 15–21

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch.Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.


1. Lesung


Apg 8, 5–8. 14–17

Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt. [. . .] Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.


2. Lesung


1 Petr 3, 15–18

[. . . sondern] haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.



Jauchzt vor Gott, alle Länder der Erde


Spielt zum Ruhm seines Namens!

Verherrlicht ihn mit Lobpreis!

Sagt zu Gott: „Wie Ehrfurcht gebietend sind deine Taten;

vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen.“

Alle Welt bete dich an und singe dein Lob,

sie lobsinge deinem Namen!

Kommt und seht die Taten Gottes!

Staunenswert ist sein Tun an den Menschen:

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie schritten zu Fuß durch den Strom;

dort waren wir über ihn voll Freude; [. . .]

Ihr alle, die ihr Gott fürchtet und hört;

ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat. [. . .]

Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Gebet nicht verworfen

und mir seine Huld nicht entzogen.

Psalm 66, 1–6. 16. 20



Wort zum Sonntag


In jedem Stein ein Schatz

Vergangenen Sonntag habe ich mit meinem Neffen Benjamin (4) einen Spaziergang gemacht – auf einem ganz gewöhnlichen Weg voller ganz gewöhnlicher Steine. Aber Benjamin sieht nur Edelsteine: Ein Kalkstein mit schönen grauen Adern, ein grünlicher Splitter, glatt geschliffene, dreieckige, herzförmige und runde Steine, Steine mit Katzengold und Feuersteine, dunkle Steine mit weißen Flecken (von mir als schnöde Asphaltbrocken identifiziert), gelbe und rostfarbene und rötliche Steine – jeder Stein ein Schatz. Unermüdlich sammelt Benjamin Steine und findet an jedem etwas ganz Besonderes, das diesen Stein so wertvoll macht, dass wir ihn unbedingt mit nach Hause nehmen müssen.
Immer wieder fragt er von neuem – hoffnungsvoll auf einen durchschnittlichen, unauffällig normalen Stein zeigend: „Interessiert dich der?“ Hm, hm – ratlos schaue ich den Stein an. Aber Benjamin weiß, wieso dieser Stein interessant ist: Er ist ganz glatt, er hat einen schönen weißen Strich, er glänzt, wenn man ihn in die Sonne hält . . .
Je weiter wir kommen, desto mehr Fortschritte mache ich in dieser „Seh-Schule“: Langsam entdecke ich die Schönheit im Gewöhnlichen, Unauffälligen, ja manchmal sogar im Hässlichen.
Es muss dieser Blick sein, mit dem Gott auf uns Menschen schaut: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ Mit diesem Blick der Liebe lässt sich Wertvolles entdecken – in jedem Stein ein Schatz.
Wer sich so geliebt wissen darf, kann auch Antwort geben: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Zugleich kann er oder sie auch Auskunft geben: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. Und falls wir diese Perspektive der Hoffnung doch einmal aus dem Blick verlieren sollten, gibt es noch den Heiligen Geist – einen Beistand, der uns daran erinnert: Gott interessiert sich für uns. Mehr noch: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, sondern ich komme wieder zu euch.“

Zum Weiterdenken

Wer braucht gerade einen neuen liebevolleren Blick von mir?


Elisabeth Rathgeb ist Seelsorgeamtsleiterin der Diözese Innsbruck.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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