Vor allem Kinder machen es einem leicht: Für sie werden die meisten Lieder gesungen. Singen schafft Gemeinschaft und macht locker. Die Stimme als Instrument für jeden Anlass wird oft vergessen.
Wenn Samuel, 6, und seine Schwester Julia , 3, nicht hören wollen, was ihre Mutter ihnen sagen möchte, singt sie es den beiden vor. „Da sind sie sofort bei der Sache und hören zu“, erzählt Margret Hofer. Sie ist von klein auf gewohnt, dass zu Hause gesungen wird. Weil ihr Mann auch gern singt, vergeht kein Tag, an dem nicht zumindest ein paar Töne im Haus zu hören sind. Wenn man fragt, warum sie im Alltag singen, sagen die Hofers: „Weil es lustig ist.“
Echte Menschen. Wir sind es gewohnt,Musik aus dem Radio oder von Tonträgern zu hören. Die Lieder sind dabei von Profis gesungen worden und noch dazu technisch bearbeitet. Viele verlieren deshalb den Mut, selbst zu singen, weil sie im Vergleich dazu vielleicht „falsch“ liegen könnten oder nicht die trainierte und ausgebildete Stimme eines Stars haben. Das ist für den „Hausgebrauch“ aber auch nicht nötig. Immer weniger Kinder kommen auf die Idee zu singen, weil ihnen nicht bewusst ist, dass die Töne aus dem Lautsprecher auch irgendwann von echten Menschen gesungen worden sind.
Einfach gesund. Dabei ist Singen auch gesund. Durch das tiefe Atmen nimmt der Körper mehr Sauerstoff auf. Damit wird Durchblutung, Stoffwechsel und die Verdauung angeregt. Summen und Singen von ruhigen Melodien entspannt. Beim Singen werden im Gehirn „Glückshormone“ produziert und Stresshormone abgebaut.
Singen in der Gruppe. Einer, der „sehr viel und fast immer singt“, ist Hannes Tausch. Er arbeitet hauptberuflich als Öffentlichkeitsarbeiter bei der Diözesanfinanzkammer Linz. In seiner Freizeit bringt er Erwachsenen und Kindern in Workshops Gesang und Sprache näher. Viele Teilnehmer/innen klagen, dass sie so wenige Lieder kennen. Um gemeinsam singen zu können, greift er dann auf altes Liedgut zurück oder probiert Lieder, bei denen eine Person vorsingt und die anderen nachsingen. Was er auch gerne mit kleinen und großen Workshop-Teilnehmer/innen macht, ist Jodeln. Das funktioniert ohne komplizierten Text. In der Gruppe ist das lustig als Echospiel – eine Gruppe singt vor, die andere gibt das wieder. Damit entsteht auch eine Klangfarbe im Raum. Hannes Tausch selbst jodelt gern frei und nach Stimmung.
Unter der Dusche. Für sich alleine singt fast jede/r. Tatsächlich ist einer der Orte, an dem das wunderbar funktioniert und auch gemacht wird, die Dusche. Sie eignet sich deshalb so gut, weil sie ein intimer Ort ist, an dem man wirklich für sich alleine ist. Zum anderen ist die Akkustik in Duschräumen sehr gut. Auch die Umgebung spielt also eine Rolle. Hannes Tausch gibt den Tipp: „Es ist gut, zu schauen: „Wo gibt’s einen geeigneten Raum und die geeignete Zeit zum Singen? Und zu fragen: Wo fühle ich mich auch wohl?“
Geschlechterfrage. Gemeinsames oderöffentliches Singen ist meist Frauensache. Männer tun das viel seltener. Eine Tatsache, die viele Chöre schmerzlich merken. Ein Ort, an dem auch Männer singen, ist der Fußballplatz. Handwerklich tätige Menschen singen eher als Büromenschen, die ihre Kolleginnen und Kollegen mit Gesang vielleicht bei der Arbeit stören könnten.
Gemeinschaftsfördernd. „Singen ist sehr gemeinschaftsfördernd“, sagt Hannes Tausch. „Es können unendlich viele Menschen miteinander singen, ohne dass ein Chaos entsteht.“ Er hat auch Erfahrung mit Kindern im Tonstudio und hat gemerkt, dass Kinder, die sich vorher fremd sind, nach zwei Stunden gemeinsamen Singens eine Gemeinschaft entwickelt haben. Oder dass die anderen selbstverständlich ruhig sind, wenn ein Kind alleine singt. Schließlich wollen die anderen ja auch, dass ihre Stimme gehört wird, wenn sie an der Reihe sind.