Handy bitte nicht ausschalten, heißt es bei den SMS-Gottesdiensten in der Pfarre Schwertberg.
Ganz schön schwierig kann es sein, die richtigen Worte zu finden. Nicht nur bei Liebeserklärungen oder Entschuldigungen ist das so. Auch die Liturgie hat ihre Tücken. Das oftmalige Resultat: lange und fade Predigten. „Die Versuchung ist groß, viele schöne Texte und Aussagen in die Liturgie zu pressen“, weiß Robert Seyr. Der Pastoralassistent aus Schwertberg setzt bei den Jugendgottesdiensten deshalb auf die ultimative Verkürzung: Ausgewählte Stellen aus der Bibel werden auf ein 160 Zeichen langes SMS zusammengefasst. Jugendliche, die das SMS auf das eigene Handy geschickt bekommen, lesen die Botschaft dann während der Feier vor. „Die kürzeren Texte sind einfach interessanter“, sagt Florian Aigner (20), Stammgast bei „SMS-Short Message von Gott“, die immer am letzten Sonntag im Monat im Pfarrheim stattfindet.
Erinnerungs-SMS. Zu dem wohl einzigen Gottesdienst, bei dem es ausdrücklich erwünscht ist, das Handy eingeschaltet zu lassen, kommen im Schnitt rund 40 junge Menschen. Pastoralassistent Seyr erinnert jedes Mal per SMS-Aussendung an die Feier. Außerdem sind in den Schulen der Region zwei Meter hohe Werbetafeln in Handyform aufgestellt.
Diskutieren. Obwohl die Botschaften kurz und prägnant sind, gibt es in den SMS-Gottesdiensten kein Kommunikationsdefizit. Im Gegenteil. In kleinen Gruppen diskutieren die Jugendlichen im Halbkreis sitzend über das Thema des Gottesdienstes. „Es ist toll, dass man auch seine eigene Meinung äußern kann“, meint Florian Aigner. „Wir beschäftigen uns zuerst mit konkreten Lebensproblemen und fragen uns dann, welche Antworten unser Glaube anbietet“, erklärt Pastoralassistent Seyr: „Wir gehen den Weg vom Leben zur Bibel und nicht umgekehrt.“ Kreative Elemente sorgen außerdem dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Beim Leben der Jugendlichen setzt etwa auch die Aufführung von kurzen Theaterstücken an. Abgeschlossen wird der Gottesdienst übrigens mit einem Segen, der noch ohne Handy und SMS auskommt. Aber vielleicht nicht mehr lange, wie Robert Seyr erzählt: „Das wär eigentlich auch eine coole Idee.“