Beim bayrisch-innviertlerischen Seeelsorgetreffen erzählte Weihbischof DDr. Helmut Krätzl, wie die Kirche mit der Verweltlichung umgehen kann.
Was die Entwicklung der Kirche betrifft, ist Weihbischof Helmut Krätzl Optimist geblieben. Der Titel seines neuen Buches: „Eine Kirche, die Zukunft hat“, ist für ihn Programm. „Trotz meines Alters schau ich nach vorn“, sagt der 77-jährige Weihbischof. So fand der vehemente Verfechter des II. Vatikanischen Konzils in seinem Impulsreferat im Stift Reichersberg zum Thema „Die Kirche in einer säkularen Gesellschaft“ ermutigende Worte. Auch wenn er nüchtern feststellt: Die katholische Kirche ist im Begriff, den Kontakt zur Gesellschaft zu verlieren. Es scheine manchmal, dass die Kirche dieser Situation hilflos gegenüber steht und sich „in einen Schmollwinkel zurückzieht“, so Krätzl. Für komplett falsch hält er es, angesichts des Mitgliederschwunds von einem „Gesundschrumpfen“ zu sprechen, betont der Weihbischof im Gespräch mit der KirchenZeitung. Eine offene, einladende Kirche müsse sich gerade auch um die Menschen kümmern, die nur noch zu den Lebenswenden in den Kirchen sind. Krätzl wünscht sich eine Kirche, die mit mehr Selbstbewusstsein auftritt. „Wir sollten aufzeigen, was Europa ohne christliche Werte wäre.“ Die Verweltlichung sei zudem eine Chance zur Erneuerung. Etwa um vermehrt naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Zum Beispiel im Bereich der Homosexualität, meint Helmut Krätzl: „Das heißt ja nicht, dass wir gleich alle unsere Positionen aufgeben.“
Nicht verurteilen. Krätzl nahm am Rande des Treffens in Reichersberg auch Stellung zu der aktuellen Ausstellung von Alfred Hrdlicka „Religion, Fleisch und Macht“ im Wiener Dommuseum. Vor allem ein Bild, das Jesus und die Apostel bei einer Orgie zeigt, sorgte für große Empörung. Krätzl betont zwar, dass er dieses Bild nicht aufgehängt hätte, sagt aber gleichzeitig: „Provokationen sind hilfreich, da sie zum Nachdenken anregen. Es ist falsch gleich nach einem Richter zu schreien. Die Kritik sollte in Form eines Dialogs stattfinden.“