Eine gute medizinische Versorgung sollte keine Frage des Alters sein. Doch auf die spezifischen Probleme alter Menschen ist das Gesundheitswesen in Österreich noch nicht ausreichend vorbereitet. Geht es nach dem Neurologen und Geriater Christian Lampl, muss sich in den nächsten Jahren einiges ändern.
Bereits im Jahr 2030 werden ein Drittel aller Österreicherinnen und Österreicher 60 Jahre oder älter sein. Statistiker meinen, dass jedes Neugeborene von heute dereinst seinen 100. Geburtstag erleben wird. Ausreichend Handlungsbedarf für die Gesundheitspolitik, sollte man meinen. Doch für Christian Lampl ist man noch am Anfang einer Entwicklung, die zügig voranzutreiben ist.
Fächerübergreifende Versorgung
Kernaussage des Geriaters ist, dass sich die einzelnen Fachrichtungen zu einem Netzwerk verbinden müssen. „Alte Menschen brauchen Orthopäden, Neurologen, Internisten, Urologen und andere Fachärzte meist in Kombination. Der eine ist für die Hüfte, die andere für Depressionen und der Dritte fürs Herz zuständig. Jeder verschreibt Medikamente. Am Ende bleibt ein Patient mit vielen Tabletten übrig, seine Schmerzen hat er aber vielleicht immer noch“, schildert der Mediziner einen Extremfall. Gerade anhand von Schmerzpatient/innen, wie es sie im Alter häufig gibt, erklärt sich die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes für Altersmedizin besonders eindrücklich. „Fachärzte, Pflegepersonal und geschulte Pharmazeuten müssen einen gemeinsamen Blick auf den alten Patienten haben, etwa in einem Zentrum für integrative Altersmedizin“, so die Zukunftsvision von Christian Lampl.
An der Umsetzung arbeiten
Bevor es zu einer neuen Art von Altersmedizin kommen kann, müssen Politik und Ärztekammer dies wollen und bürokratische Hindernisse aus dem Weg räumen. „Und für uns Ärzte muss es als Erfolg gelten, wenn es den Menschen insgesamt besser geht und sie sich wohl fühlen. Operation und Heilung als Maximalziel kann man bei alten Menschen eben oft nicht mehr erreichen, aber man kann ihnen die Lust am Leben erhalten“, ist er überzeugt. Lampl möchte jedenfalls weg vom verstaubten Image der Geriatrie hin zu einer neuen vernetzten und umfassenden Versorgung für alte Menschen. Dazu braucht es Verständnis, Empathie und die Bereitschaft, auch andere Meinungen zuzulassen. „Ich glaube, dass man mit neuen altersmedizinischen Zentren inklusive vorgelagerten Tageskliniken und Ambulanzen auch Geld sparen könnte“, gibt er sich jedenfalls zuversichtlich.
Altersgerechte Lebensräume
Auch die Kommunalpolitik ist von der wachsenden Anzahl älterer Mitbürger/innen gefordert. Ein wichtiger Punkt sind neue Wohnformen, die ein Zusammenleben mehrerer Generationen ermöglichen. Ebenso ist die Beteiligung der „jungen Alten“ am sozialen Leben, etwa in Form von ehrenamtlichen Tätigkeiten, wichtig. Sie hilft, der Einsamkeit vorzubeugen, und nutzt gleichzeitig langjährige Erfahrungsschätze. Einige Gemeinden haben schon zukunftsweisende Impulse gesetzt. Die Oö. Zukunftsakademie hat diese zusammengefasst und bietet sie interaktiv „zum Kopieren und Nachmachen“ an: http://www.ooe-zukunftsakademie.at/flipbook/Altersfreundliche_Lebensraeume.html