Der sechsjährige Franz schaut aus wie ein Mädchen. Zumindest wird er oft für eines gehalten, besonders vom Neffen der Frau Berger. Deshalb lässt Franz die Hosen herunter, mitten im Hof des Gemeindebaus und direkt vor den Augen der Frau Berger, die zufällig beim Fenster herausschaut. Da geht das Geschimpfe auch schon los ... Was für Frau Berger ein „gestörtes“ Verhalten ist, ist für die Leser/innen der „Geschichten vom Franz“ völlig verständlich. Sie können in dem Kinderbuch von Christine Nöstlinger, das zuletzt als Theaterstück in Linz zu sehen war, seinen Gedanken folgen. Und damit sind sie auf dem besten Weg, vielleicht auch im realen Leben mehr Verständnis für kindliche Handlungen zu haben. – Seit sich die Autorin Christine Nöstlinger, geboren 1936 in Wien-Hernals, für das Schreiben entschieden hat, erzählt sie Geschichten von Kindern, die an sich zweifeln und die mutig sind, wenn sie etwas als ungerecht empfinden; die sich selbst treu bleiben möchten – und die vor allem die Erwachsenen genau beobachten und ihre eigenen Schlüsse aus deren Verhalten ziehen. Mini, Franz, das Austauschkind oder die feuerrote Friederike – um nur einige der Figuren von Christine Nöstlinger zu nennen – handeln nicht nach Erziehungsmustern. „Kinder brauchen nicht erzogen werden, sie machen uns eh alles nach“, soll der bayerische Kabarettist Karl Valentin gesagt haben. Ihn zitiert Christine Nöstlinger gerne, wenn sie zum Thema „Erziehung“ gefragt wird. Am 13. Oktober wird die international ausgezeichnete Schriftstellerin 80 Jahre alt.