Wir sind es gewohnt: Irgendwo gibt es immer ein Licht am Ende des Tunnels. Diesmal nicht – der vermeintliche Hoffnungsschimmer ist nicht mehr als ein Neon-Leuchten inmitten schwärzester Nacht. Die Arbeiten am neuen Studioalbum „Skeleton Tree“ hatten zwar schon begonnen, als Nick Caves Leben in Stillstand gerät, weil sein Sohn Arthur einem tragischen Unfalltod erliegt. Der Schmerz ist in jedem Moment des Albums greifbar. Die Stücke sind unfertig, oft nur skizzenhaft angedeutet, manchmal lösen sich Songstrukturen gänzlich auf. „Jesus Alone“ ist nur düsteres Wabern, Grummeln und Grollen, fernab jeglicher Melodie. Jeder Ton aus Caves Mund ist purer Schmerz und es ist ein ständiger Kraftakt, seine Stimme zu erheben. Die Trauer in „Magneto“ ist erdrückend und schier nicht tragbar, sie findet ihre tränenreiche Entladung in „I Need You“, wenn Cave klagt. Mit den finalen Songs „Distant Sky“ und „Skeleton Tree“ beginnt Cave seine Katharsis. Eine sanfte Kirchenorgel und die Engelsstimme von Else Torp versuchen den Gebeutelten aufzufangen und Cave ergibt sich: „It’s alright now / It’s alright now / It’s alright now ...“. Doch das Herz, es bleibt gebrochen und die Nacht ist nicht enden wollend. Bewertung: 4/5 Sternen
- Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree (erschienen bei Kobalt).