Es war wohl kein Zufall: Am Mittwoch vergangener Woche, wenige Tage vor Beginn der Bischofssynode, griff Papst Benedikt in seiner Katechesen-Reihe zum Paulusjahr den Konflikt zwischen Petrus und Paulus auf. Paulus hatte Petrus wegen seines Verhaltens gegenüber „Heidenchristen“ in Antiochien offen kritisiert. „Dieser Vorfall zeigte ihnen“, so Papst Benedikt, „dass eine offene Aussprache, die auf der Liebe gründet und sich am Evangelium ausrichtet, die Kirche auf ihrem Weg vorwärts bringt.“
Auf der vergangenen Bischofssynode zur Eucharistie wurden „heiße Eisen“ wie die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zwar angesprochen, aber nicht gerade offen und mutig diskutiert, wie ein Teilnehmer berichtete. Kuriale „Dämpfungsmaßnahmen“, wie sie auch beim Konzil versucht wurden, spielten dabei durchaus eine Rolle. Vielleicht wollte der Papst mit seiner Katechese den Bischöfen Mut machen, ihre „kollegiale Mitverantwortung“ stärker wahrzunehmen.
In Österreich gab es vor zehn Jahren den vielbeachteten „Dialog für Österreich“. Er sollte der krisengeschüttelten Kirche Wege für die Zukunft aufzeigen. Neben den verschiedenen Meinungsbildern, in denen die Delegiertenversamm- lung mit meist überwältigender Mehrheit für Reformen in Kirche und Gesellschaft eintrat, war der Dialog selber eine zukunftsweisende Initiative. Eine große Mehrheit der Delegierten sprach sich daher für eine Fortführung dieser offenen innerkirchlichen Aussprache aus. Sie war der Überzeugung, dass sie „die Kirche auf ihrem Weg vorwärts bringt.“ Sie hofften vergebens, der Dialog wurde von „oben“ storniert.