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Der Pfarrer als Pendler

Pfarrer Josef Schreiner ist zwischen vier Gemeinden unterwegs.
Ausgabe: 2008/41, Pfarrer, Pfarren, Schreiner, Attersee, Nußdorf, Abtsdorf, Unterach, pendeln, Verpflichtung
09.10.2008
- Paul Stütz


Dechant Josef Schreiner ist mit Attersee, Nußdorf, Abtsdorf und Unterach für vier Pfarren zuständig. „Das wird sich so bald nicht ändern“, ist Schreiner überzeugt, dass er auch künftig viel zwischen den Gemeinden pendeln wird. Im KirchenZeitungs-Gespräch erzählt der erfahrene Priester von seinen Schwierigkeiten mit der Vierfach-Verpflichtung und warum er trotz allem Freude an seiner Arbeit hat.

An der Grenze des Zumutbaren

Dechant Josef Schreiner ist mit Attersee, Nußdorf, Abtsdorf und Unterach für vier Pfarren zuständig. Im KIZ-Gespräch erzählt Josef Schreiner, wieso er von der Kirchenleitung ernüchtert ist und weshalb er trotz allem Freude an seiner Arbeit hat.


Josef Schreiners Blick schweift vom Platz vor der Pfarrkirche in Attersee über die malerische Seen- und Berglandschaft, die einem hier zu Füßen liegt. „Schön ist es bei uns“, sagt der 55-jährige Priester. „Vor fünfzig Jahren war das hier für einen Pfarrer wohl auch ein sehr gemütliches Leben.“
Die aktuelle Situation ist dagegen ganz anders. Mag. Josef Schreiner ist in der Atterseeregion für vier Pfarren zuständig und damit Spitzenreiter in Oberösterreich. In Attersee ist er Pfarrer. In Unterach, Nußdorf und Abtsdorf wirkt er seit 2007 als Provisor. Nach dem Weggang von Pfarrer David Holzner fühlte sich Schreiner als Dechant verantwortlich, die zusätzlichen Gemeinden zu übernehmen. „Obwohl es eigentlich unverantwortlich ist, so eine Seelsorge zu machen“, sagt Schreiner selbstkritisch. Es fehle die Zeit, nahe bei den Leuten zu sein. „Man kennt nur noch den engeren Kreis in der Pfarre“, beklagt er. Heute, wie an jedem Dienstag, ist Josef Schreiners Arbeitstag gleich auf drei Pfarren verteilt. Zu Mittag ist er in der Pfarre Attersee. Der Geistliche nutzt die Zeit, dringende Telefonate zu erledigen. Ein Caritasvernetzungstreffen steht an, in einer Pfarre des Dekanats muss er außerdem einen Streit schlichten. „Solche Aufgaben kommen für mich als Dechant natürlich auch noch dazu“, sagt er, während er in seinem Wochenplan Termine einträgt. Nächsten Sonntag feiert Pfarrer Josef Schreiner Erntedank in Nußdorf, die Woche darauf in Attersee. Der Priester liest in jeder der vier Pfarren zumindest einmal im Monat die Sonntagsmesse. In Nußdorf hilft der nigerianische Hilfspriester Mag. John Umeojiakor sonntags aus, in Unterach der 65-jährige Kurat und „Altpfarrer“ Karl Six. Außerdem gibt es in Attersee und Unterach Wortgottesdienstleiter. „Die Ehrenamtlichen arbeiten sehr viel mit und übernehmen Seelsorgeaufgaben. Am wichtigsten ist, dass die Leute am Sonntag zusammenkommen und Gemeinschaft feiern“, sagt der vielbeschäftigte Priester.

Die Kunst des Weglassens. Es sei ein Lernprozess, Sachen wegzulassen, meint Josef Schreiner. So werde er etwa zu Weihnachten „sicher nicht drei oder vier Metten feiern“, wie er erzählt. Auch im Wochenplan sind noch zeitliche Reserven zu finden. „Unvorhergesehenes kann immer passieren und ich achte darauf, dass ich meine Ruhezeiten habe und Zeit fürs Gebet. Und: „Es gibt Grenzen des Zumutbaren. Als Priester muss ich auch auf mich schauen. Ich habe von mir nicht das Bild vom Priester, der sich bis zum letzten Herzschlag opfert.“
Auch wenn keine seiner Gemeinden mehr als Tausend Katholiken zählt, hält der erfahrene Theologe nichts davon, seine vier Pfarren zu einer Großgemeinde zusammenzulegen. „Das ist nicht sinnvoll“, sagt er und verdeutlicht mit einem Beispiel: „Abtsdorf ist die kleinste Gemeinde, die ich betreue, mit rund 400 Katholiken. Die Leute sind total aktiv. So haben wir dort über 20 Ministrantinnen und Ministranten. Mit einer Auflösung würde man die Leute nur vor den Kopf stoßen.“

Hadern mit Entscheidungen der Kirche. Josef Schreiner ist ein ruhiger, besonnener, optimistischer Mensch, der „nicht ständig jammern will“. Schreiner ist aber auch jemand, der nicht alles kritiklos hinnimmt an den Entscheidungen der Kirchenleitung. „Ich will nicht sagen, früher war alles besser“, sagt er, der selbst noch zu einer personell „starken“ Priestergeneration gehört: „Wie ich 1985 zum Priester geweiht wurde, waren wir noch insgesamt zu elft. Jetzt ist gähnende Leere im Priesterseminar.“ Die Gründe? „Aufbruchsphasen in der katholischen Kirche wurden systematisch abgebrochen, wie der Dialog für Österreich Ende der Neunziger Jahre.“

Öffnung des Priesteramtes. Josef Schreiner befürwortet Öffnungen in der katholischen Kirche, besonders beim Zugang zum Priesteramt: „Was spricht dagegen Diakone oder Pfarrassistenten zu Priestern zu weihen?“, fragt er: „Da hätten wir auf einen Schlag den Priestermangel gelöst.“
Josef Schreiners Wunsch nach Öffnung des Priesteramtes wird aber zumindest in den nächsten Jahren nicht erfüllt werden. Der diözesane Personalplan sieht vor, dass Priester wenn nötig bis zu vier Pfarren übernehmen können. Womit es neben Josef Schreiner wahrscheinlich bald mehr „Vier-Pfarren-Priester“ geben wird. „Wenn ich wenigstens sagen könnte, es ist eine Übergangszeit und in fünf Jahren schaut es eh wieder anders aus, aber ein Lichtblick ist nicht zu sehen“, sagt Josef Schreiner, um aber gleichzeitig zu betonen: „Ich lass mir die Freude nicht nehmen.“
Etwa am großen Einsatz der Ehrenamtlichen in den Pfarren. „Das gute Zusammenhelfen an der Basis, das trägt mich. Wir werden trotzdem in den Pfarren positiv arbeiten. Und vielleicht kommen auch noch andere Entwicklungen.“




Diözesaner Zukunftsprozess

Auszug aus den Dokumenten des diözesanen Zukunftsprozesses „Den Wandel gestalten“.

- Die geringer werdenden Resourcen an hauptamtlichem Personal und Finanzen schränken das gewohnte pastorale Handeln ein und erfordern neue Schwerpunktsetzung.

- Wir verstehen Seelsorge in geistlichem und humanem Sinn als Einsatz für ein Leben in Fülle für alle Menschen, als einzelne und in Gemeinschaft. Wir nehmen dabei die Lebenswirklichkeiten und -bedürfnisse der Menschen aufmerksam wahr, begleiten sie im Geiste Jesu und suchen sie aktiv auf, so dass sich Räume für Gottesbegegnungen öffnen können. Möglichst viele Menschen sollen so Gemeinschaft, Sinn und Hoffnung finden. (Aus: Leitlinien)
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