„Es ist eine Bereicherung, mit jungen Menschen in Kontakt zu sein“, sagt Otto Kitzberger. Der inzwischen pensionierte Berufsschuldirektor ist seit 1970 Präses des Kolpingshauses in Wels.
Präses heißt für ihn präsent sein, täglich nachmittags in das Kolpingshaus zu gehen und für seine Bewohner da zu sein. Der Verein Kolpingsfamilie Wels kann 140 Heimplätze zur Verfügung stellen. Im Haus wohnen Studenten der Fachhochschule Wels und Jugendliche, die höhere Schulen in der Stadt besuchen. Den Schülern, die nicht volljährig sind, gilt der besondere Einsatz. „Wir haben den Ruf, dass wir streng sind: Es gibt für die Jüngeren gemeinsame Lernzeiten und die Schularbeitsnoten werden kontrolliert – aber ich denke, Begleitung sind wir den Jugendlichen schuldig und den Eltern, die uns ihre Jugendlichen anvertrauen“, so Kitzberger. Ziel ist es, dass die Schüler für sich selbst Verantwortung übernehmen. Am 12. Oktober 2008 feierte die Kolpingsfamilie Wels mit den Vereinsmitgliedern, zahlreichen Ehrengästen, unter ihnen Bischof Maximilian Aichern, Landeshauptmann Josef Pühringer, Landesrat Rudi Anschober und dem Welser Bürgermeister Peter Koits, ihren 150. Geburtstag. Bischof Aichern segnete im Rahmen der Jubiläumsfeier den Besinnungsraum des Hauses. Dieser wurde neu geschaffen und soll den Heimbewohnern die Möglichkeit bieten, sich zurückzuziehen und allein zu sein.
Adolph Kolpings Idee. Auf Initiative Johann Edtbauers, Kaplan in der Stadtpfarre, wurde 1858 die Kolpingsfamilie Wels errichtet. Der Priester Adolph Kolping gründete 1849 in Köln den ersten Gesellenverein. Dieser machte es sich zur Aufgabe, Handwerksgesellen, die von Industriebetrieben angezogen in die Stadt kamen, Unterkunft und Betreuung zu geben. Noch zu Lebzeiten Kolpings (1813 bis 1865) verbreiteten sich die Gesellenvereine – heute Kolpingsfamilien – in Deutschland und der Donaumonarchie sehr rasch. Österreichweit bestehen 61 Kolpingsfamilien, davon neun in der Diözese Linz.