Seit mehr als 50 Jahren lebt Margaretha Moises als Missionarin in Kolumbien und widmet sich dort der Bildungsarbeit u. a. für Flüchtlingskinder. Derzeit ist die gebürtige Bad Hofgasteinerin als Gast von Missio in Österreich unterwegs, um über ihre Projekte zu berichten.
Kolumbien ist nach wie vor ein Land, in dem Armut und Gewalt dominieren. Entführungen, politische Morde und Menschenrechtsverletzungen stehen an der Tagesordnung. Laut Schätzungen der Weltbank leben etwa 60 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, jede/r fünfte der 44 Millionen Einwohner/innen Kolumbiens ist arbeitslos. Seit über 40 Jahren herrscht Bürgerkrieg. Guerillatruppen, Paramilitärs und Armee liefern sich immer wieder Kämpfe. Es geht um Land, es geht um Drogen, es geht um Macht. Aus wirtschaftlichen Interessen werden vor allem Kleinbauernfamilien von ihren Grundflächen vertrieben. Mittlerweile gibt es „vier Millionen intern Vertriebene in Kolumbien“, sagt Margaretha Moises.
Stiftung. Zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden, siedeln sich die Menschen meist am Rand der großen Städte an. So auch außerhalb der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena de Indias. In der Bucht an der Karibikküste liegt Pasacaballos, ein Ortsteil von Cartagena, mit 16.000 Einwohnern. Eine große Hilfe für die Menschen hier, die oft arbeitslos sind und keine schulische Ausbildung haben, ist die sozial-christliche Organisation Funscri (Fundacion Social Cristiana), die seit zehn Jahren von Missio Austria unterstützt wird. „Meine Schwester Maria Herlinde, sie ist 2006 gestorben, hat die Stiftung 1965 zusammen mit Franziskaner-Missionsschwestern, Priestern und Laien der Pfarre gegründet. Gesundheitszentren und Bildungseinrichtungen sind entstanden, um den ausgegrenzten Menschen zu helfen, ihre soziale Entwicklung zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten“, erzählt Margaretha Moises, die seit dem Tod ihrer Schwester auch deren Arbeit fortsetzt.
Schulausbildung. Ein Projekt widmet sich besonders den Flüchtlingskindern im Alter von sieben bis 14 Jahren, die entweder noch nie in einer Schule waren oder bereits zur Schule gegangen sind, dann aber flüchten mussten und so ihre Schulausbildung nicht abschließen konnten. Ohne Grundkenntnisse und Absolvierung einer zweijährigen Vorschule werden die Kinder in den staatlichen Schulen Kolumbiens aber nicht aufgenommen. Häufig landen die jungen Leute dann auf der Straße. „Wir haben eine Lehrerin, die die Kinder auf ihren Wissensstand hin prüft und so eruiert, in welche Grundschulklasse sie hineinkommen können, bzw. ob sie noch die Vorschule besuchen müssen. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber die größte Hilfe für die Kinder“, sagt die 76-Jährige.
Jesus als Stütze. Margaretha Moises ist 1953 voller Begeisterung und Freude als Missionarin nach Kolumbien gereist – kurz nachdem auch ihre Schwester in dieses Land aufgebrochen war. Seither setzt sie sich dort für soziale Gerechtigkeit ein. 1980 hat Moises das Bildungs- und Kommunikationszentrum CEDAL in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá gegründet. Im Mittelpunkt stehen hier Schul- und Ausbildungskurse für Kinder und Jugendliche von Flüchtlingen in den verschiedenen Armengebieten Kolumbiens. Kraft schöpft die Theologin, Erziehungswissenschafterin und ehemalige Franziskaner-Missionsschwester von „oben“: „Jesus hat sich für die Ärmsten eingesetzt und seine Liebe für die Kinder, für die Kranken und für die Ausgestoßenen gezeigt. Er ist unsere große Stütze und Hilfe.“
Stichwort
Weltmissions-Sonntag
Mehr als 1100 der weltweit 2500 Diözesen der katholischen Kirche befinden sich in den ärmsten Ländern der Welt. Um diesen Kirchen ihr Überleben zu sichern, wird jährlich zum Weltmissions-Sonntag (heuer der 19. Oktober) in allen Pfarren der Welt gesammelt. In Österreich wird die Sammlung von Missio (Päpstliche Missionswerke Österreich) organisiert. Die Spenden der weltweit größten Solidaritätsaktion fließen in einen Fonds, aus dem jede der ärmsten Diözesen ein Haushaltsgeld zur Finanzierung ihrer Aufgaben erhält. Schwerpunktland von Missio ist heuer Kolumbien.