Sessel-Demonstrationen in ganz Österreich zum „Tag des Bleiberechts“
Ausgabe: 2008/42, Menschlichkeit, Sessel-Demonstration, Tag des Bleiberechts, Bünker, Hennefeld, Riedl, Solidarität, Ballhausplatz,
15.10.2008
Tausende Menschen kamen vergangenen Freitag mit ihren Sesseln auf öffentliche Plätze in ganz Österreich, um zu zeigen, es gibt genügend Platz für integrierte Zuwanderer. Kirchliche Einrichtungen und Flüchtlingsorganisationen hatten zum „Tag des Bleiberechts“ aufgerufen.
Auf dem Wiener Ballhausplatz hatten mehrere hundert Menschen ihre Sesseln vor dem Bundeskanzleramt abgestellt, um für ein faires Bleiberecht für integrierte Zuwanderer zu demonstrieren. Der evangelische Bischof Michael Bünker hat mit Superintendent Thomas Hennefeld von der reformierten Kirche und dem Leiter des evangelischen Flüchtlingsdienstes, Christoph Riedl, gleich eine ganze Kirchenbank angeschleppt. Er wollte damit unterstreichen, dass „es hoch an der Zeit ist, dass Österreich endlich ein Gesetz zur Zuerkennung eines Bleiberechts für lange hier lebende und gut integrierte Ausländer/innen schafft.“ Das Bleiberecht, so Bünker, soll nicht länger ein Gnadenakt sein. Die Katholische Aktion forderte den Zugang zu einem gesetzlichen Bleiberechtsverfahren für alle, die länger als fünf Jahre in Österreich leben und gut integriert sind. Scharf kritisierte die KA, dass unter dem „Mantel der Sicherheit“ Menschen ohne richterliches Urteil in „Lager konzentriert“ werden. Das erinnere an die NS-Zeit.
Wie lange? Bei der „Sessel-Demonstration“ in Graz kritisierte Caritas-Präsident Franz Küberl, dass viele Asylwerber nach einem unerträglich langen Verfahren dann plötzlich vor der Abschiebung stehen. Als „ein Beispiel von vielen“ berichtete er von einer albanischen Familie, die 1999 nach Österreich gekommen sei. Sechs Jahre habe es gedauert, bis die Familie endgültig ihren negativen Asylbescheid bekam. Eine beim Verwaltungsgerichtshof anhängige Beschwerde gegen die Ausweisung habe sie bis dato geschützt. Aber niemand weiß wie lange. Beide Söhne der Familie besuchen erfolgreich die Oberstufe eines Grazer Gymnasiums, die Mutter habe seit sieben Jahren Arbeit, der Vater durfte mehrere Arbeitsangebote von Betrieben nicht annehmen. „Weil wir keine faire, rechtsstaatliche Bleiberechtsregelung haben, bleibt derzeit die Menschlichkeit zurück“, sagte Küberl.