Aus gegebenem Anlass – Stichwort Nationalratswahl – ist es ein zwingender Spaß, ein Album von der Regierung zu würdigen. Nach über 20 Jahren der Abstinenz hat sich die Band wieder vereint. „Raus“ ist ein Alterswerk, das einen sanften Blick zurück wirft und einem dabei Tränen in die Augen treibt. Mit seiner angenehmen Schludrigkeit, verschleppten Beats und einer Stimme, die immer nach einem Bier zu viel klingt, nimmt uns Tilman Rossmy mit auf (s)eine Zeitreise.
Wir besuchen mit ihm ein Patti-Smith-Konzert im Jahr 1977 („Bemerkenswerte Menschen“), hören ihm zu, wenn er sich mit dem eigenen Scheitern aussöhnt („30 Jahre mehr“), und erfahren im Lloyd-Cole-Cover „Like Lovers Do“ eine ganze Menge verflossenen Herzschmerz („So wie ein Liebhaber“). „Raus“ ist voll von kleinen Lebensweisheiten, die anrühren: „Früher wollte ich nicht so werden, wie mein Vater ist / Heute schaue ich in den Spiegel und sehe ihm direkt ins Gesicht“. Das poppige, beinah hitverdächtige „Konjunktiv 2“ stellt Was-wäre-wenn-Fragen, die sehr vertraut vorkommen. „Der Weg nach draußen“ stellt schließlich nostalgisch fest: „Und die neue Zukunft heißt Erinnerung“. Es ist gut, diese Regierung wieder zurück zu wissen! Bewertung: 4 von 5 Sternen
Die Regierung. Raus ist bei staatsakt erschienen.