„Wie löst ihr das Problem mit Hitler?“, so lautete eine der Journalistenfragen an die Linz09-Intendanz schon lange vor Beginn des Kulturhauptstadtjahres. Der bewusste, offensive Umgang mit der eigenen Geschichte ist eine Antwort darauf.
Er hatte große Pläne für seine Heimatstadt Linz: Sie sollte eine der fünf Führerhauptstädte werden mit gigantischen Architekturbauten und einer unvergleichlichen Kunstsammlung, dem „Sonderauftrag Linz“. Welche Spuren hat Adolf Hitler hinterlassen? – Die Ausstellung „Kulturhauptstadt des Führers. Kunst und Nationalsozialismus in Linz“ geht den Visionen, Wegen, Plänen Hitlers nach und zeigt, welche konkrete Auswirkungen die NS-Ideologie auf Bildende Kunst, Literatur, Theater, Musik und Architektur in Oberösterreich hatte. Die Historikerin Birgit Kirchmayr hat die Ausstellung kuratiert und am Fr., 23. Jänner eine Gruppe des Forums St. Severin durch die Ausstellung geführt. „Die Architekturpläne Hitlers für Linz stammen aus seinem Skizzenbuch. Die Nibelungenbrücke im Zentrum der Stadt und dazu die beiden Brückenkopfbauten sind das manifesteste Zeichen Hitlers in der Stadt“, erklärt die Historikerin. Dass Linz damals aus dem KZ Mauthausen mit Steinen beliefert worden ist, die nun das Donauufer säumen, gilt als wahrscheinlich.
Massive Eingriffe. Die Ausstellung beleuchtet zunächst das Umfeld, in dem Hitler groß wurde. Linz war eine kleine, bürgerlich geprägte Provinzstadt mit regem Vereinsleben. Eine deutschnationale-antisemitische Grundhaltung herrschte in vielen Kreisen vor. Ab 1933 gab es in Deutschland bereits massive Eingriffe ins Kulturleben. Alle Künstler/innen mussten in den folgenden Jahren Pflichtmitglieder bei der Reichskulturkammer werden, erforderlich dazu war der „Ariernachweis“. Künstler/innen, die diesen nicht erbringen konnten oder wollten, durften nicht mehr künstlerisch tätig sein oder ihre Bücher veröffentlichen. Die Ausstellung zeigt ihre Schicksale und auch derjenigen, die durch Rückzug oder Anpassung in Oberösterreich überlebt haben. Weitere Themen sind: Raubkunst und Restitution, „Sonderauftrag Linz“ (Hitlers Kunstmuseum) und die Rolle der Klöster als Kunst-Depots. Der informative und hervorragende Katalog zur Ausstellung fördert zudem Wissenswertes über verschiedene Künstlerpersönlichkeiten (Gertrud Fussenegger, Maria Peteani, Fritz Fröhlich, Franz Schnopfhaben u.a.) zutage.