Ausgabe: 2009/05, Leben, offene Augen, Josef, Maria, Leitartikel, Chefredakteur, Fellinger, Simeon, Heil, Maria Lichtmess, Straßengräbern, Jesus
28.01.2009
Manchmal begegnet man einem. Die Windschutzscheibe nur so weit freigekratzt, dass bloß ein kleiner Ausblick möglich ist. Ohne Sicht unterwegs zu sein, ist grob fahrlässig, gefährlich für einen selbst und die anderen.
Das Leben eines gewissen Simeon und einer Hannah ging dem Ende zu. Da schildert die Heilige Schrift, wie Josef und Maria mit dem neugeborenen Jesus diesen beiden alten Leuten begegneten. Gewöhnlich werden Augen im Alter stumpf. Was sollte es noch zu sehen geben? Doch Simeon und Hannah müssen sehr klare Augen gehabt haben. „Meine Augen haben das Heil gesehen“, ruft Simeon staunend, als Jesus vorbeigetragen wird. Keine Vereisung der Sicht haben sie zugelassen, und mögen die Erfahrungen des Lebens noch so schwer gewesen sein. Seherin und Seher im wahren Sinne des Wortes waren sie. Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest „Darstellung des Herrn“, auch „Maria Lichtmess“ genannt. Ein Lichtfest ist es. Es sagt, dass man die Augen des Glaubens offen halten soll, dass man die Sicht frei halten muss, sonst verunglückt man in den Straßengräben des Lebens. Es sagt auch, dass das Hoffnung ist bis zum letzten Tag. Symbolisch werden die Kerzen an diesem Tag gesegnet. Sie leuchten den Weg aus. Christen erwarten das Licht.