Ausgabe: 2009/05, Kommentar, Papst Benedikt, Basilika St. Paul, Lefebvre, Exkommunikation, Geste der Barmherzigkeit, Kirchenspaltung, Konzil, André Vingt-Trois, Ecclesia Dei, Zollitsch,
28.01.2009
- Hans Baumgartner
Am 25. Jänner waren es 50 Jahre her, dass Papst Johannes XXIII. in der Basilika St. Paul die Einberufung eines Ökumenischen Konzils angekündigt hat. Es ist wohl kein Zufall, dass unmittelbar vor diesem Jubiläum Papst Benedikt die Exkommunikation jener vier Bischöfe aufgehoben hat, deren Weihe 1988 zum Bruch der katholischen Kirche mit den Anhängern von Erzbischof Lefebvre geführt hat. Der Papst habe damit eine „Geste der Barmherzigkeit“ gesetzt, um die Kirchenspaltung, die durch die Ablehnung wesentlicher Lehren des Konzils durch die Lefebvrianer entstanden war, zu überwinden, sagte Kardinal André Vingt-Trois von Paris. Nun liege es an der Priesterbruderschaft Pius X., diese ausgestreckte Hand zu ergreifen.
Papst Benedikt sei im Hinblick auf die „Einladung zur Versöhnung“ an die Lefebvrianer bis zum Äußersten gegangen, sagte Kardinal Jean-Pierre Ricard. Als Mitglied der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ kennt er die Verhandlungen mit traditionalistischen Gruppen genau. Und er lässt, so wie Bischof Koch aus Basel und Erzbischof Zollitsch aus Freiburg, keinen Zweifel daran, dass nun „weitere Schritte zur vollen Einheit der Piusbruderschaft und der katholischen Kirche“ nötig seien. Dabei gehe es, so Kardinal Ricard, um die Anerkennung aller Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils als „lehramtliche Dokumente von erstrangiger Bedeutung“, aber auch um „politische“ Divergenzen.
Der Papst hat viel riskiert und eine Tür geöffnet. Ob daraus echte Versöhnung wächst oder, wie viele befürchten, ein neuer Rechtsruck und neue Flügelkämpfe in der Kirche entstehen, wird sich weisen. (siehe Panorama)