Ausgabe: 2009/05, Laieninitiative, auftreten statt austreten, Herbert Kohlmaier, lebendige Christengemeinden, Bischöfe, Seelsorger/innen, Wir sind Kirche, Luitgard Derschmidt, Rollenbild, Priester, Memorandum, viri probati, Seelsorgenotstand, Pflichtzölibat, Diako
28.01.2009
- Hans Baumgartner
„In der Kirche ist es nicht mehr fünf vor, sondern schon fünf nach zwölf“, sagt Herbert Kohlmaier. Deshalb habe er sich entschlossen, mit Gleichgesinnten eine „Laieninitiative“ zu gründen.
„Wir wollen es noch einmal wissen, ob in der Kirche selbstgemachte Gesetze wichtiger sind als lebendige Christengemeinden um den Tisch des Herrn“, sagt Herbert Kohlmaier. Gemeinsam mit seinen streitbaren Freunden Erhard Busek und Andreas Khol hat er vergangene Woche die von ihm bereits seit Monaten vorbereitete „Laieninitiative“ öffentlich vorgestellt. In der Startwoche wurde sie bereits von über 1300 Leuten unterstützt.
Kernstück. „Wir wollen die Bischöfe ermutigen, ersuchen, bitten, ja, auch bedrängen, endlich Reformschritte zu setzen bzw. in Rom zu unterstützen, damit die Seelsorge in unseren Gemeinden, vor allem in den ländlichen Regionen, nicht den Bach hinuntergeht“, sagt Kohlmaier im Kirchenzeitungs-Gespräch. Die Schaffung von Seelsorgeräumen oder Megapfarren, mit denen derzeit viele Diözesen eine Art Bypass-Operation gegen die Priesternot durchführen, „halten nicht nur wir für wenig sinnvoll“, verweist Kohlmaier auf namhafte Pastoraltheologen (Zulehner, Weber, Fuchs). „Ich verstehe nicht“, so der kirchlich engagierte ehemalige Volksanwalt, „warum man für ein kirchliches Gesetz (Zölibat – Red.), das man mit einem Federstrich ändern könnte, ein Kernstück des katholischen Glaubens in Frage stellt, den Zusammenhang von lebendiger Gemeinde und Eucharistie.“ Kohlmaier ist überzeugt, dass jede Gemeinde, und damit meint er überschaubare Einheiten bzw. gewachsene Lebensräume (Dörfer), eine von den Bischöfen beauftragte geistliche Leitung braucht. „Das kann aber nicht ein Pfarrer sein, der die Leute nicht mehr kennt, weil er mehrere Gemeinden oder eine Riesenpfarre zu betreuen hat. Auch wenn vieles in den Gemeinden schon engagierte Laienchristen machen, es braucht ein offizielles kirchliches Visavis, die/der mitten unter den Leuten lebt, die Menschen kennt und ihre Freuden und Nöte mit ihnen teilt“, betont Kohlmaier.
Alle Kraft. Die Laieninitiative ist überzeugt, dass es auch heute genügend spirituelle Berufungen gibt. „Deshalb konzentrieren wir uns ganz auf dieses Thema (siehe Memorandum). Wir bitten die Bischöfe, jene Beauftragungen, die jetzt schon möglich sind, großzügig anzuwenden, und sich gleichzeitig für veränderte Zulassungsbedingungen für die Weihe einzusetzen. Dafür wollen wir noch einmal all unsere Kräfte bündeln“, sagt Kohlmaier.
Zur Sache
Laieninitiative Memorandum
Die Laieninitiative appelliert an die österreichischen Bischöfe, im Bereich ihrer Kompetenz selbständig Reformschritte zu setzen und bei der Leitung der Weltkirche auf Reformen zu drängen, um dem immer drü–ckender werdenden Mangel an geeigneten Priestern und dem damit eintretenden Seelsorgenotstand zu begegnen. Sie hält insbesondere folgende Schritte für notwendig:
1. Die wegen einer Eheschließung aus dem Amt entfernten Priester möglichst bald zu reaktivieren; 2. den Pflichtzölibat der Priester abschaffen; 3. die Weihe von Frauen zu Diakoninnen ermöglichen; 4. vorzusehen, dass die Bischöfe geeignete Personen („viri probati“ – besonders Diakone, aber auch andere) durch Weihe und Beauftragung zur Durchführung sakramentaler Handlungen (Leitung der Eucharistiefeier, Spendung der Krankensalbung usw.) ermächtigen.
Seelsorge muss bei den Menschen sein
Im Zusammenhang mit den doch wieder deutlich angestiegenen Kirchenaustrittszahlen trat der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner eindringlich dafür ein, dass die Kirche ihre Präsenz auf dem Land nicht aufgeben dürfe. Die durch den Priestermangel veranlasste Zusammenlegung von Pfarrgemeinden zu pastoralen Megaräumen, auch wenn nominell die Pfarre aufrechterhalten werde, habe sich als Misserfolg erwiesen. Die Kirche könne nur in der Nähe zu den Menschen ihre geistliche und soziale Kompetenz ins Spiel bringen.
Die notwendige Nähe der Seelsorger/innen zu den Menschen betont auch die Plattform „Wir sind Kirche“ in einem Brief an Kardinal Schönborn. Er wird darin gebeten, sich für geänderte Zulassungsbedingungen beim Weiheamt einzusetzen, wie das seit 40 Jahren von verschiedenen Synoden und kirchlichen Foren gewünscht werde. Zur Lösung von Reformfragen soll eine Synode einberufen werden.
Die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt, stimmt dem „Grundanliegen“ der Laieninitiative zu. Über die Weihebedingungen hinaus sei aber auch eine Änderung des Rollenbildes der Priester und der Laien notwendig.