4. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 1. Februar 2009
Ausgabe: 2009/05, Sonntag, finden, ansprechen, 4. Sonntag im Jahreskreis, Mechthild von Hackeborn, Lesung, Evangelium, Markus, Korinther, Regina Brandl, Wort zum Sonntag, Propheten
28.01.2009
Ein Rezept für ein glückliches und erfolgreiches Leben? „Das ist doch verrückt“ mag ja noch die spontane Reaktion darauf sein; aber es gibt sie doch, die unzähligen Ratgeber, Bücher und diversen Sendungen mit ihren Tipps. Wie die wahren Propheten von den falschen unterscheiden? Welche Botschaft knechtet und welche befreit zu einem erfüllten Leben? Von Jesus und seiner Lehre, so heißt es, waren die Menschen in der Synagoge in Kafarnaum zutiefst bewegt und betroffen.
Evangelium
Mk 1, 21–28
Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (Vollmacht) hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den anderen: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
1. Lesung
Dtn 18, 15–20
Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe. Damals sagte der Herr zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihnen auftrage.
2. Lesung
1 Kor 7, 32–35
Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt.
Gott spricht zur Seele des Menschen
Ich habe sie mir geschaffen und gab mich ihr zu allem hinzu, was sie von mir begehrt hat. Ich bin Vater in der Schöpfung ich bin für sie Mutter in der Erlösung ich bin Bruder im Teilen des Reiches ich bin Schwester in süßer Gesellschaft
Mechthild von Hackeborn, Nonne und Mystikerin, 13. Jh.
Wort zum Sonntag
„Ich weiß, wer du bist“
Es ist der unreine Geist, der zuerst erkennt, wer Jesus ist. Er schreit: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“ Er erkennt, er „riecht“ sozusagen die Gefahr, die ihm von Jesus droht. Er wird ausgetrieben, er verliert seine Macht über den Menschen, den er besessen hat. Die Menschen aber erschrecken und fragen sich verwundert: „Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet.“ Sie sind unsicher, ob sie diesem Propheten trauen können. In der Lesung aus dem Buch Deuteronomium wird die Frage nach den wahren und falschen Propheten gestellt. Es sind aktuelle Fragen. Wem kann ich trauen? Welcher Botschaft kann ich glauben? Wir erleben täglich die Verheißungen und Versprechungen von Politik, Wirtschaft und Religion. Die Medien sind voll von Rezepten für das geglückte Leben, und wenn es nicht funktioniert, sind wir selber schuld.
Die wahren Propheten, so der Lesungstext, verkünden nicht sich selbst, sondern das Wort Gottes. Das Wort Gottes erkenne ich daran, ob es dem Menschen guttut, ihn befreit. Jesus verkündet die Befreiung und Heilung der Menschen. In seiner Zuwendung zum Besessenen wird wirksam und begreifbar, dass Gott das Heil will, die Befreiung von Dämonen und Mächten. Und sagen Sie nicht, es gibt heute keine Dämonen mehr! Wir erleben immer wieder, wie Menschen von etwas gefangen, besessen sind, das sie nicht loslässt, das ihr Leben und das ihrer Mitmenschen vergiftet. Neid und Zorn, Unversöhntheit und Bosheit, Schuld und Sünde sind einige solcher „Dämonen“, die gefangen halten und vergiften. Gibt es auch heute das Wunder der Austreibung unreiner Geister? Gott sagt uns zu, dass wir frei sind, von ihm geliebt, erlöst aus Schuld und Sünde. Aus dieser Zusage heraus können wir leben, gelassen und frei, befreit von kleinlicher Sorge um uns selbst.
Zum Weiterdenken
Bin ich aufmerksam auf die falschen und wahren Propheten? Wie unterscheide ich, ob mich etwas frei macht oder gefangen nimmt?
Regina Brandl ist Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein in Innsbruck.