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Er will vor allem Seelsorger bleiben

Dr. Gerhard Maria Wagner wird Weihbischof von Linz
Ausgabe: 2009/06, Weihbischof Wagner, Wagner, Vatikan, Rom, Ernennung, Papst Benedikt XVI., Bischof, Schwarz, Weihbischof, Linz
03.02.2009
- Matthäus Fellinger


Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz (im Bild links) begrüßt seinen neuen Weihbischof Dr. Gerhard Maria Wagner.




Dr. Gerhard Maria Wagner wird Weihbischof von Linz. Seine Ernennung hat in der Diözese heftige Reaktionen und viel Kritik ausgelöst.

Die KirchenZeitung stellt den künftigen Weihbischof vor. Sie hat auch – zwei Tage nach der Ernennung – Reaktionen kirchlicher Persönlichkeiten eingeholt.

Ein sehr kleiner Querschnitt aus zahlreichen eingelangten Leserbriefen verdeutlicht, wie sehr die Ernennung Menschen bewegt. Wagner selbst betont: Er will auf seine Kritiker zugehen.

Gerhard Maria Wagner wurde am 17. Juli 1954 in Linz geboren. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie in Wartberg/Aist. Bereits nach der Volksschule wollte er Priester werden. Er kam ins Petrinum in Linz, wo er 1972 maturierte. In der Folge trat er, wie er erzählt, mit großen Erwartungen ins Linzer Priesterseminar ein. „Gottesbeziehung und Gemeinschaft unter Menschen war mir damals schon sehr wichtig.“ Sehr intensiv habe ich mich ins Studium vertieft, für Freizeit, Sport und Gemütlichkeit blieb aber ebenso Zeit“, erzählt der neue Weihbischof. Wagner galt als exzellenter Fußballer – mit Kopfballstärke.

Die Jahre in Rom. Als ihn der damalige Regens des Priesterseminars, Josef Wiener, fragte, ob der Theologiestudent nach Rom gehen wollte, war seine Antwort zunächst ein Nein. Er sagte aber schließlich doch zu und kam im September 1974 in das Germanicum nach Rom. An der Gregoriana studierte er Theologie und spezialisierte sich auf das Fach Dogmatik.

Die Zeit in Rom dürfte prägend gewirkt haben: „Die Größe und Weltweite der Kirche hat mich damals schon fasziniert, Begegnungen mit Menschen aus aller Welt waren mir wichtig.“ Nach der Priesterweihe am 10. Oktober 1978 kam Wagner als Kaplan nach Bad Ischl. „Dort war mir die Kinder- und Jugendseelsorge ein Anliegen, aber auch die Familienbesuche standen für mich immer im Vordergrund“, erzählt er über diese Zeit. 1984 kam Wagner nochmals nach Rom, um dort in Dogmatik zu promovieren. „Berufung und Sendung des Laien in der Kirche im Lehramt der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II.“ war sein Thema.

Liebt Auseinandersetzung. „Entscheidungen der Weltkirche sind mir bis zum heutigen Tag wichtig geblieben, theologischen Auseinandersetzungen gehe ich nie aus dem Weg“ sagt Wagner über sein Selbstverständnis, und fügt hinzu: „Die Beziehung zu den konkreten Menschen habe ich selbst in dieser Zeit deshalb nicht verloren, weil ich mit großem Engagement viele Gruppen in Rom führte und so für mich die Kontakte zur Heimat wichtig blieben.“

Als Pfarrer in Windischgarsten. Im Jahre 1988 kam Dr. Gerhard Wagner aus Rom zurück und wurde Pfarrer und Seelsorger in Windischgarsten. „In dieser Pfarre wirke ich seit 20 Jahren mit vielen Laienmitarbeitern, die es insgesamt möglich gemacht haben, dass wir viele Initiativen in der Pfarre – Gebetskreise, tägliche Anbetung, Bauvorhaben usw. – bisher umsetzen konnten.“
Seine pastoralen Schwerpunkte galten in Windischgarsten der Jugendarbeit, aber auch der Glaubensfortbildung.

Für Menschen in Not. „Wichtig sind mir auch die Treue zur Kirche und der Einsatz für Menschen in Not“, nennt Wagner weitere Schwerpunkte. Den sozialen Nöten der Menschen sollte die Kirche noch mehr Aufmerksamkeit schenken, betonte Wagner bei der Pressekonferenz am Montag und würdigte das Wirken Bischof Maximilian Aicherns in diesem Bereich.
In Windischgarsten kommt das etwa in den Besuchsdiensten zum Ausdruck, die von den Mitarbeitern durchgeführt werden.
Über seinen Seelsorgestil meint Wagner: „Dass ich den Leuten Zeit zur Verfügung stelle, damit sie persönlich mit mir sprechen können – zum Beispiel in der fixen Beichtzeit –, ist für mich selbstverständlich“, charakterisiert sich Wagner als Seelsorger. Sein Weg: „Möglichst viel dabei sein und am Leben der Menschen teilnehmen.“
„Kritik – konstruktiv und mit Respekt vorgetragen, ist etwas Positives“ – und: „Es gibt soviel Positives in der Diözese“, versuchte der künftige Weihbischof die gespannte Atmosphäre in der Diözese etwas zu beruhigen.

Der Wahlspruch. „Meine Seele preist die Größe des Herrn“. Dieser Anfangsvers des Magnificat stand schon auf dem Primizbild Gerhard Wagners. Es wird auch sein Wahlspruch als Weihbischof sein. Sein Lieblingsheiliger ist Franz von Assisi: weil dieser trotz einer sehr kritischen Situation in der Kirche blieb und diese von innen her zu reformieren versuchte.

Die Bischofsweihe. Am vierten Fastensonntag, 22. März, wird Dr. Wagner im Linzer Dom zum Bischof geweiht. Dr. Ludwig Schwarz wird die Weihe vornehmen.




Dr. Gerhard Wagner als designierter Weihbischof von Linz war bei der offiziellen Pressekonferenz am 2. Februar in Linz bemüht, auch mit seinen Kritikern eine Gesprächsbasis zu finden.

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