Sechs Kinder haben Maria und Karl Kronberger großgezogen. Sie haben 1964 geheiratet und miteinander den Bauernhof in Steinerkirchen an der Traun bewirtschaftet, den sie von Marias Eltern übernommen haben. Das Wirtschaften überlassen sie heute ihrem Sohn Karl, doch stehen sie ihm nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite.
Die Hände in den Schoß zu legen, nachdem sie den Hof übergeben haben, das wäre Maria Kronberger nicht eingefallen. Ein Vorbild war ihr dabei ihre Mutter, für die es außer Frage stand, weiter mitzuarbeiten.
Ein eigenes Reich. Dass es nicht selbstverständlich ist, dass sich Hofübernehmer und Hofübergeber gut verstehen, ist den Kronbergers sehr bewusst. Die Wohnsituation ist für Karl eine Voraussetzung dafür. Karl und Maria wohnen im Erdgeschoß des Bauernhauses. „Ich wäre gern oben geblieben“, gibt Karl zu. „Wie schön das ist, wenn man eine ebenerdige Wohnung hat, sieht man erst, wenn es Probleme gibt beim Gehen.“ Die „Jungen“ und die „Alten“ haben jeweils eine eigene Haustür und eine eigene Wohnung. „Da kann ich tun, wie ich will in meiner Küche“, sagt Maria, „aber wir gehen immer zusammen.“
Übergeben. Karl und Maria haben sich bemüht, ihren Kindern eine positive Einstellung zum bäuerlichen Leben zu vermitteln. Die fünf Töchter und der Sohn haben alle eine höhere Schule besucht. Bekannte haben gewarnt, dass sich niemand mit dieser Ausbildung für die Landwirtschaft interessieren wird. Das hat sich nicht bewahrheitet. Neben dem Hoferben hat eine Tochter auf einen Hof geheiratet. Dass Karl junior – Charly – den Hof übernehmen wird, ist bald festgestanden. Beim Übergeben hält es Karl für wichtig, dass vorher „mit den weichenden Erben alles geregelt ist“. Die Kronbergers sehen sich heute als Begleiter ihrer Kinder. Sie freuen sich, dass alle gern heimkommen und dass die Kinder untereinander guten Kontakt pflegen. Feste und der jährliche „Ahnlsonntag“ bestätigen das. So haben vergangenes Jahr 24 Leute Weihnachten in ihrer Stube gefeiert.
Umstellung für alle. Charly bewirtschaftet den Betrieb komplett anders als seine Eltern. Die beiden hatten einen Schweinebetrieb, er ist Lehrer an der Landwirtschaftsschule und hat daheim einen Kindererlebnishof eingerichtet. Gefüttert werden Hängebauchschweine, Ponys, ein Esel, Hasen und Katzen. Für Karl war die Umstellung am schwierigsten. Charly bewirtschaftet die Wiesen und Felder selbst, aber er verkauft Mais und Getreide. Karl wäre dafür gewesen, das, was man erntet, auch selbst zu verarbeiten. Er ist aber sichtlich stolz auf den Erfolg seines Sohnes und der Schwiegertochter. „Das ist ihr Werk“, betont er, „und ich arbeite gern mit und freue mich mit den Jungen über ertragreiche Ernten.“
Mithelfen. Als er wegen einer Knieoperation im Krankenhaus sein musste, war er besorgt – weil er sich darauf gefreut hat, wieder helfen zu können. Er hat das Gefühl, dass er mitreden darf und seine Meinung gefragt ist. „Das ist oft das Problem“, meint Karl, „dass die Alten zu wenig informiert werden.“ Er und seine Frau übernehmen konkrete Arbeitsbereiche. Sohn und Schwiegertochter sind berufstätig, deshalb füttert Karl die Tiere. „Wenn das erst bis neun Uhr erledigt ist, ist das auch kein Problem“, sagt er. „Manchmal werden wir dafür zum Essen eingeladen.“ „Es ist schon wichtig, dass die Arbeit, für die man zuständig ist, nicht zu schwer ist“, betont Maria.
Rat und Hilfe. Früher waren beide sehr aktiv im öffentlichen Leben in Gemeinde und Pfarre. Marias Mutter hat nach den Kindern gesehen, so war es möglich, sich für ehrenamtliche Aufgaben freizumachen. Deshalb passt auch Maria gerne ab und zu auf ihren einjährigen Enkel auf. Umgekehrt freut sie sich, dass sie etwa um Rat fragen kann, ob sie für einen Anlass passend gekleidet ist.
Unbeschwert reisen. Maria und Karl waren immer viel unterwegs, wenn sie auch nur zweimal miteinander verreist sind: zur Silberhochzeit und zum 60er von Karl. Wegzufahren fällt ihnen sicher leichter, seit sie den Hof übergeben haben. „Natürlich spricht man sich ab“, sagt Karl. „Aber wenn es mir am Samstag einfällt, am Sonntag die Tochter in Kärnten zu besuchen, dann tu ich das“, ergänzt Maria.
Tagung in Puchberg
Maria Kronberger leitet und moderiert die „Tagung für Altbäuerinnen und Altbauern und ältere Menschen vom Land“, die jährlich im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels stattfindet.
Themen des Lebens. Am Programm stehen Vorträge über wichtige Themen des Lebens, Diskussion und Erfahrungsaustausch. Die Geselligkeit kommt dabei auch nicht zu kurz.
Information und Geselligkeit. Es gibt spirituelle Impulse (Vom glückenden Leben in den fortschreitenden Jahren; Das Kreuz als umstrittenes Kulturzeichen oder Bekenntnis), ein gesundheitliches Thema (Unser Herz) und einen Vortrag über das gute Zusammenleben der Generationen. Als Abendprogramm liest Erwin Hölzl, Luftenberg, aus seinem Buch „Daheim beim Obermitteregger“.
Zweiter Termin. Der erste Termin war von 2. bis 4. Februar 2009, die Tagung findet ein weiteres Mal von 2. bis 4. März 2009 statt.Kursbeitrag: Euro 25,– pro Person, Euro 40,– pro Paar, dazu kommen die Aufenthaltskosten.
Nähere Information und Anmeldung:Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels,Tel. 07242/47 537, E-Mail: bildungshaus.puchberg@dioezese-linz.at, Fax: 072 42.475 37-55Homepage: www.bildungshaus-puchberg.at