Zugegeben. So schwer wie diesmal ist mir ein Leitartikel noch nie gefallen. Bischof Ludwig Schwarz hat dringend gebeten, dem neuen Weihbischof Gerhard Wagner mit Offenheit zu begegnen. Sehr viele sind trotzdem enttäuscht. Was kann für jene gelten, die die Entscheidung des Papstes mit Jubel aufgenommen haben, für die anderen, die sich provoziert fühlen, nicht zuletzt dem künftigen Weihbischof gegenüber?
Vielleicht dies: Die Kirche bleibt im Dorf. Wie Christen im Alltag das Evangelium zum Tragen bringen, ist bedeutsamer als wie sie zu ihren Bischöfen stehen. Weil ihnen Menschen ein Anliegen sind, leben sie Kirche. In früheren Jahrhunderten, als Gläubige kaum einmal, vielleicht nie, ein Wort des Papstes, nur selten eines vom Bischof gehört haben, waren sie deshalb auch keine schlechteren Christen. Bischöfe werden ernannt und scheiden aus Ämtern. Wer bleibt, ist Christus – dem man nach gutem Glauben zuerst im Nächsten begegnet. Ein zu amts- und hierarchieverliebter Glaube ist umkehrbedürftig – hin zum Nächsten. Bischof Schwarz hat Recht: Jetzt braucht es Offenheit – von beiden Seiten – für die Freuden UND die Sorgen. In gläubiger Gelassenheit könnte man dann auch die Bitte des neuen Weihbischofs achten: Beurteilt meine Taten.