Ausgabe: 2009/06, Moskau, Patriarch Kyrill I., Kopf der Woche, russisch-orthodoxe Kirche, Patriarch, Stiftung Pro Oriente, Arm und Reich, Weltkirchenrat, Genf, Wladimir Gudjajew
04.02.2009
- Hans Baumgartner
Seit 1. Februar ist Patriarch Kyrill I. das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Mit der Stiftung Pro Oriente in Wien ist er seit 35 Jahren verbunden.
Die Wahl war eindeutig. Bereits am ersten Tag stand mit der klaren Mehrheit von 508 von insgesamt 702 Stimmen fest: Der Nachfolger des im Dezember verstorbenen Patriarchen Aleksij heißt Kyrill. Der theologisch moderate, weltoffene Metropolit von Smolensk ist damit seit 1. Februar (Amtseinführung) das Oberhaupt der mit 160 Millionen Mitgliedern größten orthodoxen Kirche.
Begrüßt. Vom Weltkirchenrat in Genf wurde die Wahl von Kyrill ebenso begrüßt wie im Vatikan. Man kennt ihn an beiden Orten von vielen Begegnungen als einen interessierten, aber durchaus kritischen Ökumeniker. Mit der Stiftung Pro Oriente in Wien ist Kyrill seit 1974 verbunden. Damals nahm er als Ökumene-Beauftragter seiner Kirche am ersten katholisch-orthodoxen Kolloquium zum Kirchenverständnis teil. In den vergangenen Jahren hat sich Kyrill vor allem für eine „strategische Allianz“ der Kirchen für die sozialen und ethischen Werte in Europa eingesetzt. Er hat maßgeblich an der im Jahr 2000 veröffentlichen „Soziallehre“ seiner Kirche mitgeschrieben. Wladimir Gudjajew wurde 1946 in Leningrad geboren, 1969 nahm er den Mönchsnamen Kyrill an. 1988 wurde der exzellente Theologe Erzbischof, 1991 Metropolit von Smolensk. Von 1989 an war er „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats.
Patriarch Kyrill I.: „Die Kluft zwischen Arm und Reich in Russland ist skandalös. Als Kirche müssen wir dieses Unrecht zur Sprache bringen.
Man kann (in der Ökumene) noch so viele Papiere unterschreiben. Wenn wir nicht das Gefühl haben, dass wir uns lieben, dass wir wie eine Familie sind, dass jeder den anderen braucht, wird es keine Einheit geben.“