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Unaufdringlich da sein

5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 8. Februar 2009
Ausgabe: 2009/06, unaufdringlich, 5. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag, Regina Brandl, Psalm 147, heilsamer Gedanke, Krankheit, Leid, Markus, Ijob, Korinter, Heilung,
04.02.2009
Jesus ist Gast im Haus des Petrus. Als er aber erfährt, dass dessen Schwiegermutter krank im Bett liegt, geht er zu ihr, fasst sie an der Hand und richtet sie auf. Kein Zauberspruch heilt die Frau, sondern seine Zuwendung und seine Berührung. In Jesus ist die menschgewordene Botschaft der Nähe Gottes erlebbar, gerade auch in Krankheit und Leid.


Evangelium


Mk 1, 29–39

Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot, den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm:
Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.


1. Lesung


Ijob 7, 1–4. 6–7

Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe, und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. [. . .] Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.
Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück.


2. Lesung


1 Kor 9, 16–19. 22–23

Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. [. . .]
Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.



Heilsamer Gedanke


Gott heilt die gebrochenen Herzen,
und verbindet ihre schmerzenden Wunden.
Er bestimmt die Zahl der Sterne,
und ruft sie alle mit Namen.

Aus Psalm 147



Wort zum Sonntag


Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist

Leid, Krankheit und Tod und die Sehnsucht nach Glück und Heil prägen unsere tägliche Erfahrung. Auch wenn wir uns noch mehr einsetzen für die Vermeidung von Leid und die Heilung von Krankheit, so bleibt beides doch eine Erfahrung menschlichen Lebens.
Die Wunderheilungen, die uns von Jesus berichtet werden, sind schöne Geschichten. Können wir sie heute noch glauben? Da halten wir es schon eher mit Ijob, der klagt: „Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.“ Das ist doch unsere Erfahrung: wir erleben täglich Krieg, Gräuel, Katastrophen, Krankheit und Tod und fragen uns mit Ijob: „Wo ist Gott?“
Die große Gestalt des Ijob aus dem Ersten Testament ist die Gestalt des unschuldig Leidenden. Ijob ist der Mensch, der mit Gott ringt und streitet. Er klagt Gott an und fordert eine Antwort. Er stellt die uralte und immer aktuelle Frage nach der Rolle Gottes im Leiden.

Lässt Gott uns leiden? Jesu Antwort sind seine Predigt und seine Heilungen. Jesus geht zur Schwiegermutter des Petrus, die mit Fieber im Bett liegt. Er „fasste sie an der Hand und richtete sie auf“. Kein Zauberspruch heilt die Frau, sondern die Zuwendung und Berührung, das Aufrichten ist die Heilung. Gott will, dass wir nicht darniederliegen, sondern uns aufrichten und aufrecht sind. Jesus ist diese menschgewordene Botschaft. Seine Aufgabe ist die Verkündigung dieses Heils. Gott lässt uns nicht leiden, sondern Krankheit und Tod gehören zum Menschen, sie gehören zum Menschsein. Aber Gott ist nicht gleichgültig oder unnahbar. In der Person Jesu erfahren wir die Botschaft Gottes, dass er uns nahe ist im Leid. Er hat in seinem Sohn das Leid und den Tod überwunden, indem er mit uns Menschen ganz solidarisch geworden ist. Damit sind Krankheit und Tod nicht aufgehoben. Sie sind aber hineingenommen in die Geborgenheit und Gnade in Gott.

Zum Weiterdenken

Ich achte auf Menschen und Situationen, die mich aufrichten.


Regina Brandl ist Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein in Innsbruck.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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