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Aus der Praxis: Nadja kommt in dieBeratung, weil sie sich so kraftlos und ängstlich erlebt. Sie ist derzeit im Krankenstand, wurde gekündigt und ist auf Arbeitssuche. „Wie soll ich das schaffen, wenn ich immer wieder Panikanfälle habe und so depressiv bin?“, fragt sie verzweifelt. Nadja ist Alleinerzieherin von einem Buben mit 14 und einer Tochter mit 12 Jahren. Sie lebt in einer Mietwohnung und kämpft um die Existenz. Mit dem Einkommen kommt sie gerade so durch. Ihre letzte Arbeitsstelle war im Verkauf und sie hat sich sehr bemüht, das wurde aber nicht gesehen. Sie fühlt sich übergangen und schlecht behandelt. Dies scheint sich durch ihr Leben zu ziehen. Nadja wurde von ihrer Mutter kaum wahrgenommen und hatte zu funktionieren. Ihr Vater starb, als sie zwei Jahre alt war. Sie kann sich kaum an ihn erinnern. Immer musste sie Rücksicht auf ihre Mutter nehmen, da diese so jung Witwe wurde. Nadja hat große Probleme mit ihrem Sohn, der derzeit sehr schwierig ist. Er nimmt nichts ernst und hilft nicht.
Nadja berichtet, dass sie eine gute Beziehung zu den Kindern hat und viel mit ihnen redet. Ihr Sohn sei zwar nicht sogesprächig, aber in schwierigen Situationen komme er zu ihr.
Sie hat immer versucht, es allen recht zu machen und die Kinder ernst zu nehmen. Im Verlauf der Beratung kommt zur Sprache, dass ihr Sohn immer Anerkennung bei seiner Oma findet. Sie verbündet sich mit dem Sohn und kritisiert die Mutter. Nadja fühlt sich dann immer klein und als Bittstellerin, sie geht schon nicht gern zur ihr. Der Vater kümmert sich kaum um die Kinder und sagt höchstens, dass sie versagt, da der Sohn so schwierig ist.
Ich bin müde. Ihr Sohn bringt ihr keineAchtung entgegen und demolierte die Wohnung, während sie gearbeitet hat. Er war laut und oft haben die Nachbarn sich beschwert. Sie ist jetzt einfach müde und kann nicht mehr. Und die Panikanfälle kommen immer wieder vor.
Klar und deutlich. Wenn sie ihre verschiedenen Probleme anspricht, kann ich gut verstehen, dass sie müde ist. Sie hat bisher enorm viel geleistet. Am wichtigsten erscheint mir, klar miteinander zu reden. Kann sie mit ihrem Sohn deutliche und einfache Vereinbarungen treffen? Zum Beispiel: „Ich möchte, dass du das Geschirr wegräumst oder die Wäsche verräumst.“ Jedes Familienmitglied hat auch Verantwortung zu übernehmen, damit alle sich wohlfühlen. Sie ist nicht für alles allein zuständig und sie muss es nicht allen recht machen.
Respektlos. Nadja muss auch lernen, ihren Sohn zu fordern. Sie soll seine Respektlosigkeit ansprechen und klar machen, dass sie so nicht mit sich umgehen lässt. Je klarer sie ist, umso eher hört ihr Sohn zu. Ich frage Nadja, ob sie sich vorstellen kann, klarer und fordernder zu sein. Sie bejaht und versucht dies. Ich wünsche ihr, dass sie das schafft.̽