Elf von hundert Pendler/innen in Oberösterreich benutzen Öffentliche Verkehrsmittel. Täglich fahren 70.000 und mehr Autos nach Linz.
Mit elf Prozent der Berufstätigen, die in Oberösterreich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen, sind wir in Österreich neben Kärnten Bundesländer-Schlusslicht, was die Umweltschonung bei den Fahrten zur und von der Arbeit betrifft. Intelligente Straßenlösungen verlangt der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Johann Kalliauer. Der grüne Landtagsabgeordnete Gunther Trübswasser kontert: Tut mehr für die Öffis, macht sie attraktiver und „Takt“-verlässlicher! Wie umweltschonend, Fitness fördernd und kommunikativ der tägliche Pflichtweg von vielen auch zurückgelegt werden könnte, zeigt ein Projekt der Volksschule Enns. „Zu Fuß, zu Fuß, das ist der Hit, wir gehen alle mit“ lautet ihr Motto. Sie machen damit vor, wozu das Autofasten-Projekt auch motivieren will, zu dem katholische und evangelische Kirche in der Fastenzeit vom 25. Februar bis 11. April einladen. Die Infos dazu entnehmen Sie dem beiliegenden „inpuncto Fairkehr“.
Pendeln zwischen gutem Takt und Zeitgewinn
Hohe Anforderungen an den Öffentlichen Verkehr. Der ist noch nicht allgemein gewappnet
Eine große Zahl von Arbeitnehmer/innen verbringt viel Zeit auf dem Weg zur und von der Arbeit. Der Präsident der Arbeiterkammer, Dr. Johann Kalliauer, tritt deshalb für „intelligente Straßenlösungen“ ein. Der grüne Landtagsabgeordnete Gunther Trübswasser nannte das einen „falschen Reflex“. Vielmehr sei in die Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs zu investieren.
Viele Menschen siedeln sich in der Nähe schneller Straßen an und folgen billigeren Grundstücken; Zersiedelung ist die Folge. Eine Zersiedelung, die auch dem sinnvollen Einsatz öffentlicher Verkehrsmittel im Wege steht. Die schnelle Anbindung an den Arbeitsort Linz ist damit Theorie, weil viel Verkehr nur langsam vorwärts kommen lässt.
Takt behalten an 365 Tagen. Ein verlässlicher Taktfahrplan sei das Um und Auf eines guten Öffentlichen Verkehrs. Die Öffis müssten an 365 Tagen im Jahr den gleichen Takt haben, sagt Trübswasser. Er will Ähnliches erreichen wie in Zürich. – Die Schweizer Stadt hat durch Investitionen in die Öffis den Anteil der Pendler/innen, die mit Zug oder Bahn zur Arbeit kommen, von 20 auf 33 Prozent gesteigert. Ein dichterer Takt und ein längerer Betrieb steigern die Attraktivität der Öffis.
Öffis brauchen Geld. AK-Präsident Kalliauer sagt, er stimme mit Trübswasser völlig darin überein, dass der Ausbau der Öffis Vorrang habe. „Leider kann aber nicht die gesamte Verkehrsproblematik alleine über den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel gelöst werden. Bus- und Bahnverbindungen in entlegenere Gebiete werden sich nicht immer flächendeckend verwirklichen lassen.“ Zumindest kurzfristig würden viele auf das Auto angewiesen sein. Es brauche Lösungen, die die Staubbelastung verringern.
Regionale Konzepte. Landeshauptmann-Stellvertreter DI Erich Haider verweist auf Regionale Verkehrskonzepte für ein bedarfsgerechtes Angebot der Öffis. Für das Mühlviertel und etliche andere Regionen sind sie bereits bearbeitet. Dort gebe es auch massive Fahrgaststeigerungen. Im Rahmen des Verkehrskonzeptes Rohrbach wurden etwa neben den Taktverkehren entlang der B127 auch Schnellverbindungen nach Linz eingerichtet.
- In einer der nächsten Ausgaben gehen wir den Fragen nach, wie die Raumordnung ordnen kann und die Politik Betriebe in die Regionen bringt.
Zur Sache
Fakten zum Pendeln
- In den Ballungszentren gibt es lukrativere und oft die einzig verfügbaren Arbeitsplätze. Das mittlere Bruttoeinkommen liegt mit 1.632 Euro (Angabe aus dem Jahr 2007) im Mühlviertel um etwa 200 Euro unter dem Österreich-Schnitt.
- Elf Prozent der oö. Arbeitnehmer/innen fahren mit Öffis.
- Täglich kommen 70.000 bis 75.000 mit dem Auto zur Arbeit nach Linz.
- Die Arbeiterkammer hat Pendler/innen befragt: 70 Prozent derer, die mit dem PKW nach Linz pendeln, gaben an, das erste Motiv dafür sei der Zeitgewinn.
Beruf und Verkehr
„Kernelement der oö. Wirtschaftspolitik ist es, Betriebe vor allem in den Regionen anzusiedeln.“