Die Zentralmatura soll ab 2014 an Österreichs AHS gelten. Erste Erfahrungen mit der neuen Form der Reifeprüfung gibt es an zwei katholischen Privatgymnasien in Linz: der Stifterschule und dem Petrinum.
Das Petrinum ist eine von 86 Schulen in Österreich, die am Pilotprojekt zur standardisierten Reifeprüfung teilnehmen. In Englisch musste bereits im Vorjahr ein Teil der Maturanten zentral vorgegebene Fragestellungen beantworten. „Weil wir uns vor neuen Entwicklungen nicht verschließen wollen“, sagt Mag. Franz Asanger, Direktor des Bischöflichen Gymnasiums, und betont: „Ich will aber auf keinen Fall groß als der Vorreiter der Zentralmatura dastehen.“ Asanger betrachtet die geplante Einführung vielmehr mit großer Skepsis. Er vermisst beim Ministeriumskonzept Fragen, die den Lebenswelten der Jugendlichen entsprechen, und kritisiert, dass durch zentral vorgegebene Prüfungen alle Schüler über einen Kamm geschoren werden.
Zentrale Englischmatura. Ähnlich wie der Direktor des Petrinums argumentiert Alina Stummer (siehe Spalte rechts). Die 18-Jährige ist Schülerin am Linzer Stiftergymnasium und wird heuer ihre schriftliche Englischmatura in der neuen Form ablegen. „Ich glaube, dass die Lehrer nicht mehr so individuell auf die Schüler eingehen können“, sagt sie. Deutlich positiver äußert sich Mag. Evelyn Andorfer, Englischlehrerin am Stiftergymnasium:„Meine Erfahrungen mit dem Probelauf sind grundsätzlich gut.“ Mit der Kritik, dass die Zentralmatura den Unterricht überall gleich und fad mache, kann die Pädagogin wenig anfangen. Nur die Ziele seien gleich, jedoch nicht der Weg, wie dieses erreicht werden soll. Andorfer: „Wenn gesagt wird, welche Vokabeln die Schüler können müssen, kann ich mir immer noch aussuchen mit welchen Themen das geschieht.“ Die Schüler/innen könnten durch die genauen Vorgaben der Zentralmatura gezielter unterrichtet werden. „Das Niveau an Österreichs Schulen wird dadurch steigen und nicht sinken“, meint Andorfer. Ein sehr großes Plus sei das besonders für jene Maturanten, die ein Studium an einer Universität beginnen. „Sie sollen alle die gleichen Bedingungen haben.“ Jedoch glaubt sie, dass die geplante Einführung für 2014 (für AHS) nur in Englisch realistisch und auch machbar ist. Eine weitere Einschränkung der geplanten Zentralmatura ist Evelyn Andorfer ebenfalls sehr wichtig: „Die Korrektur soll immer noch der Lehrer machen.“
Severin Witzany (16), Schulsprecher Stiftergymnasium: „Ich bin für die Zentralmatura, für einzelne Teile ist sie sicher sinnvoll. Es muss aber klar sein, was man als Schüler/in können muss.“
Alina Stummer, (18), 8. Klasse Stiftergymnasium, „Ich befürchte, dass durch die Zentralmatura auf die Schüler/innen nicht mehr so individuell eingegangen werden kann. Ich glaube, dass das Niveau dadurch sinken wird.“