Zunächst sei gesagt: Glauben Sie nicht den Hymnen, die die großen Musikmagazine über das neue Springsteen-Œuvre regnen lassen. Nach den Aufnahmesessions zu „Magic“ war Springsteen so produktiv, dass er einfach weiterschrieb. Und so ist es wenig verwunderlich, dass „Working On A Dream“ musikalisch nahtlos an seinen Vorgänger anschließt. Und genau daran krankt das Album. Es wird wenig Neues ausprobiert und ebenso wenig gewagt. Die E-Street- Band klingt souverän, druckvoll und mitreißend wie eh und je und damit auch genauso vorhersehbar. Nicht, dass Sie glauben, Springsteen hätte ein Album voll schlechter Songs eingespielt, gar nicht. Viel mehr hat man beim Hören der neuen Songs das Gefühl, sämtliche Lieder bereits zu kennen, und beginnt sich dann auch bald zu langweilen. Positiv erwähnt sei an dieser Stelle vor allem „Good Eye“, bei dem der Boss seinen Gesang durch einen Stimmenverzerrer jagt und somit zum ersten und einzigen Mal auf diesem Album Düsternis heraufbeschwört, wo es sonst vor lauter Happy Feeling nur so trieft. Erfrischend ist dann auch das viel zu kurz geratene „Tomorrow Never Knows“, das als lieblicher Mid-Tempo-Schunkler sogar ein bisschen Country-Flair versprüht. Mit dem finalen „The Wrestler“ beweist Bruce Springsteen einmal mehr, dass er oftmals ohne den überbordenden Sound der E-Street-Band wesentlich besser beraten wäre. Nichtsdestotrotz ist das Spingsteen-Konzert am 5. Juli in Wien ein Muss.
- Bruce Springsteen – Working On A Dream (erschienen bei Sony).