In der „Zeit im Bild 2“ war dem Thema ein eigener Beitrag gewidmet: „Die Diözese Linz ist tief gespalten“. Die KirchenZeitung ging der Frage nach, woher diese Behauptung kommt, die seit Wochen gebetsmühlenartig in Internetforen und Kommentaren wiederholt wird. Und: Ist sie zutreffend?
Vertreter/innen von allen 39 Dekanaten, aus dem Laienapostolat, der kategorialen Seelsorge und der Diözesanleitung – rund 80 Personen gehören zum Pastoralrat der Diözese Linz. Eine Vielfalt an Meinungen erlebt sie dort, stellt Artner-Papelitzky klar, die als Geschäftsführende Vorsitzende die Zusammenkünfte leitet – aber keine Spaltung: „Uns eint das Motto der Diözesansynode ,Kirche um der Menschen willen‘“. Natürlich gibt es Spannungen zwischen verschiedenen Sichtweisen auf Kirche und Gesellschaft: „Doch Spaltung würde heißen, dass man nicht mehr miteinander redet und anderen den Glauben abspricht. Das kommt im Pastoralrat nicht vor.“ Sie vermutet, dass jene von Spaltung sprechen, die Interesse daran haben, der Diözese zu schaden.
Anstrengende Vielfalt. Generaldechant Franz Wild urteilt ähnlich. Er erlebt in der Diözese „eine Vielfalt und Breite an Meinungen, die anstrengend , aber positiv ist“. Den Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen die helfende Botschaft des Evangeliums zu verkünden, braucht verschiedene Wege: „Wer nicht die Bereitschaft hat mit der Vielfalt zu leben, wird einen Ausschließlichkeitsanspruch stellen und von Spaltung reden.“
Resignation ist Gift. Über die Wege der Pastoral muss offen diskutiert werden, wer im Verborgenen agiert, erzeugt Spaltung, so der Generaldechant. Das wird bei der nächsten Dechantenkonferenz sicher auch zur Sprache kommen. Nach dem Rückzug des designierten Weihbischofs Gerhard M. Wagner geht es nicht um Sieger oder Verlierer, sondern darum zu lernen: „Geheimniskrämerei schafft nur Misstrauen und mit dem muss Schluss sein“. Die innerkirchlichen Vorgänge müssen transparenter werden: „Die Kirche ist keine Demokratie im politischen Sinn, aber sie muss die Bereitschaft aufbringen ihr übertriebenes Autoritätsdenken abzulegen.“ Wild ist zuversichtlich, dass die Kirchenleitung hier sensibler wird. Die in ihrer großen Mehrheit zustimmenden Reaktionen auf die Stellungnahmen der Dechanten haben diesen einen Grundtenor: Die Bevormundung durch kirchliche Obrigkeit schafft Resignation. Und das ist für die Sendung der Kirche verheerend. Die klaren Worte der Dechanten wurden als aufbauend empfunden und nicht als spaltend verstanden, so in den Briefen und E-Mails an Wild.
Wenn Dialog, dann für ganz Österreich. Im Gespräch mit Franz Wild und Edeltraud Artner-Papelitzky fallen keine Namen von Foren und Gruppen, die von Spaltung reden: Bewusst –, denn es geht in einem ersten Schritt um das Aufzeigen von Denkmustern, die eine Spaltung ausmachen. Einem Dialogprozess nur für Oberösterreich steht Artner-Papelitzky reserviert gegenüber: „Es braucht einen Dialog für ganz Österreich. Denn die Suche nach dem Weg der Kirche betrifft alle Diözesen. Und unterschiedliche Positionen gibt es nicht nur in Oberösterreich, in Linz werden lediglich die Fragen deutlicher gestellt“. Wie das Evangelium im 21. Jahrhundert verkündet und gelebt werden kann, geht alle an.