„Wichtig ist es, Arbeitsplätze in den Regionen zu schaffen“, sagte die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich Ulrike Rabmer-Koller. Wirtschafts-Landesrat Viktor Sigl und Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider sind da gleicher Meinung.
Sigl weist darauf hin, dass seitdem die Technologie- und Marketinggesellschaft TMG des Landes 1993 ihre Arbeit aufnahm, von dieser 633 Projekte betreut wurden – Projekte zur Betriebsansiedlung und Standortentwicklung. Sie haben fast 16.000 Arbeitsplätze in die Regionen gebracht!
Wohnen und arbeiten. „Pendeln wird man nicht ganz einstellen können“, sagte Rabmer-Koller. Aber: „Je mehr gute Firmen in den Regionen sind, desto eher finden Menschen in ihrer Wohnumgebung Arbeit.“ Doch, so ist der Grüne Landtagsabgeordnete Gunther Trübswasser skeptisch, „es wird nicht gelingen, immer neue Arbeitsplätze in die Regionen zu bekommen“. Arbeit und Wohnen wird für viele Menschen weiterhin räumlich getrennt sein. Viele Menschen haben keine Wahl, sie müssen pendeln. Deshalb muss in den öffentlichen Verkehr investiert werden.
Kompakte Siedlungsgebiete. Landeshauptmann-Stellvertreter DI Erich Haider tritt dafür ein, „dass alle Einrichtungen, die zur Erledigung der alltäglichen Bedürfnisse erforderlich sind, in den Regionen und in den Gemeinden erhalten bleiben beziehungsweise wieder angesiedelt werden.“ Er nennt Kindergarten, Schule, Lebensmittelgeschäft, Arzt, Apotheke, Geldinstitut, Gasthaus, Polizeidienststelle, Kirche, Postamt und Betriebe. Erfolgreiche Bemühungen in diese Richtung verringern auch das Verkehrsaufkommen.
Gesucht: Gründe in Ortsnähe. Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Mag. Ulrike Rabmer-Koller, die auf erfolgreiche gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Betriebsansiedlung verweist, meint, Zersiedelung als Quelle von Verkehr und Erschwernis für den öffentlichen Verkehr habe bei uns historische Wurzeln. „In Bayern gibt es die Dörfer, bei uns waren die Bauernhöfe immer verteilt, was viele kleine Siedlungen zur Folge hat. Natürlich ist die Landespolitik herausgefordert, einer weiteren Zersiedelung entgegenzuwirken. Es müssen dann aber auch Gründe in Ortsnähe gekauft werden können. Im Konzept sind ein Ortskern und möglichst wenig Zersiedelung vorgesehen. Wenn die Gründe nicht vorhanden sind, ist alle Infrastruktur schwierig.“
Zur Sache
Einkaufszentren
Das geplante Einkaufsdorf Ort im Innkreis ist erneut von der Abteilung Raumordnung negativ beurteilt worden. Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Mag. Ulrike Rabmer-Koller dazu: „Es darf nicht so sein, dass wir nur noch Geschäfte am Ortsrand haben. Die Nahversorgung muss gesichert sein. Oberösterreich hat ohnehin eine hohe Dichte an Verkaufsflächen.“
Oberösterreichs Wirtschaftspolitik setzt in Sachen regionaler Standortsicherung auf INKOBA – interkommunale Betriebsansiedlung. „Mittlerweile gibt es 19 INKOBA-Projekte, von denen 165 Gemeinden betroffen sind. Etwa Greiner Bio-One in Rainbach im Mühlkreis, wobei langfristig 300 Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Andere sind Google in Kronstorf (Data Center) und die Bäckerei Bachmeier in Altheim.
Wirtschafts-LandesratViktor Sigl
Postämter
In nur mehr 40 Prozent der oberösterreichischen Gemeinden gibt es ein eigenes Postamt. Landesrat Dr. Josef Stockinger nennt Schließungspläne ein „Ausbluten des ländlichen Raumes“. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer unterstützt das Volksbegehren der Postgewerkschaft für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.