Die katholische Kirche von Oberösterreich will sich mehr um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmern. Was die Kirche selbst betrifft, will sie Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Der Pastoralrat bekräftigte diesen Weg.
Die Kirchenkrise soll kein Hindernis sein, sich mit den Folgen der Wirtschaftskrise für die Menschen zu beschäftigen. Bei der Vollversammlung des Pastoralrates am 6. und 7. März ging es im Bildungshaus Schloss Puchberg daher keineswegs nur um innnerkirchliche Nabelbeschau. Das Evangelium verpflichtet zuerst zur Solidarität mit den an den Rand Gedrängten (Siehe Spalte rechts).Zunächst zu innerkirchliche Klärungen: In der Diözese Linz sollen sich verschiedene Gruppen mit Respekt begegnen. Bei Bischofsernennungen erwarten sich die Mitglieder des Pastoralrates eine „angemessene Einbeziehung“ der Ortskirche. Die Vollversammlung wirbt um Zutrauen für den Weg der Diözese Linz. Menschen, die wegen der Ereignisse um die Weihbischofsernennung oder wegen der vatikanischen Entscheidungen um die Piusbruderschaft ausgetreten sind, werden eingeladen, ihren Schritt zu überdenken.
Beten und reden. Im Linzer Mariendom und in den einzelnen Vierteln sollen Gläubige zum Gebet und Gespräch für ein vertieftes Miteinander in der Kirche von Oberösterreich eingeladen werden. „Es geht um keine oberflächliche Einheit“, meinte dazu Diözesanbischof Ludwig Schwarz, sondern um eine Einheit in Vielfalt – die im Gebet und im Gespräch gesucht werden soll. Das Miteinander in der Diözese müsste, wurde im Pastoralrat betont, auf einer gemeinsamen Basis stehen – dem Evangelium und auch den Positionen des II. Vatikanischen Konzils. „Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel“, meinte ein Teilnehmer, wenn weiter fragwürdige Entscheidungen getroffen würden. Über das Problem, dass viele Christen dem, was „von oben“ kommt, nicht mehr folgen können oder wollen, wurde offen diskutiert. Ausdrücklich unterstützt der Pastoralrat die Initiative „Fasten und Beten – für einen gemeinsamen Weg in der Kirche“ (siehe Seite 9).
Ja zum Personalplan. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung stimmte der Pastoralrat dem Personalplan der Diözese Linz für die Jahre 2010 bis 2015 zu – nicht aus Begeisterung, sondern weil vor allem der Priestermangel bei den geltenden kirchenrechtlichen Bestimmungen keine anderen Lösungen zulässt. 2015 wird es in der Diözese Linz rund 250 Priester, die jünger als 70. sind, geben. Tendenziell werden in ländlichen Dekanaten künftig mehr Priester eingesetzt, in Stadtdekanaten werden verstärkt Pastoralassistent/innen zum Einsatz kommen. Die Frage, wie gut Priester und Laien zusammenarbeiten, wird zu einer Schlüsselfrage werden. Ehrenamtliche werden die Seelsorge mehr als heute mittragen müssen. Der Plan wurde angenommen, mit dem Zusatz: Es muss auf weltkirchlicher Ebene nach Lösungen gesucht werden, sonst droht der Kollaps. Bischof Ludwig Schwarz dazu: „Ich teile eure Bedenken und euren Schmerz im Blick auf die Zukunft.“ Und: „Es muss weitergehen, aber es hängt von der Gemeinschaft der Bischöfe und vom Papst ab.“ Er meinte damit die mögliche Zulassung bewährter verheirateter Männer zum Priesteramt.
Zum Thema
Nahe den Leuten
Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren das zweite große Thema bei der Vollversammlung des Pastoralrates. „Wie lange noch habe ich Arbeit?“ Mit dieser Sorge sieht man sich in den Beratungsstellen immer mehr konfrontriert. Vor allem bei Jugendlichen steigt die Arbeitslosigkeit dramatisch (siehe auch Seite 10 bis 11). „Wir dürfen die vom Arbeitsprozess Ausgeschlossenen nicht nur betreuen, wir müssen auch politisch dem Prozess des Ausschlusses entgegenwirken“, meint der Theologe Ansgar Kreutzer bei der Pastoralrats-Vollversammlung.
Grundsicherung für alle. Der Pastoralrat sprach sich für die „eheste Umsetzung der Grundsicherung für alle“ aus. Eine Anhebung der Arbeitslosenunterstützung und verbesserte Bedingungen für die Notstandshilfe wären ebenso nötig. Die Pfarren sollen den von der Wirtschaftskrise unmittelbar Betroffenen beistehen, wurde betont. Die Diözese Linz bietet Unterstützung durch die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, aber auch durch die Caritas und die „Treffpunkte mensch & arbeit“. Betont wurde, das Risiko der Wirtschaftskrise dürfe nicht nur einem Teil der Bevölkerung aufgelastet werden, während andere unberührt blieben. Die Wirtschaftskrise wurde auch grundsätzlich beleuchtet. Christian Felber, Mitbegründer von „ATTAC“, plädierte für Einkommens- und Vermögensgrenzen, um die Demokratie zu retten. Vermögen über 500.000 Euro sollten besteuert werden.