Manche Leute haben das Gefühl, wer mit dem Rad fährt, kann sich kein Auto leisten. Sozialer Aufstieg bedeute Auto, Erstauto, Zweitauto. – Die „Initiative FahrRad OÖ“, KirchenZeitungs-Solidaritätspreisträgerin 2008, sieht das ganz anders: Radfahren heißt – ich kann auf das Auto verzichten!
Das Radfahren, so berichten Gerhard Prieler und Elfi Koblmüller vom Vorstand des Vereins „Initiative FahrRad OÖ“, ist in bürgerlichen Städten viel mehr „in“ als etwa in der Industriestadt Linz. Entsprechend nachrangig geht es auch dem Radverkehr. Es fehlen prominente Imageträger.
Schwerpunkt Radverkehr. Die Initiative FahrRad dreht das Rad nach vorne, lenkt den öffentlichen Blick auf den Radverkehr – was er braucht und wie sinnvoll er gerade im städtischen Bereich ist. Einiges ist schon getan. Seit einigen Monaten gibt es in Oberösterreich einen Radverkehrsbeauftragten. Nun soll sich, so Prieler und Koblmüller, die Landespolitik zu einem Fünf-Jahres-Radverkehrs-Schwerpunkt entschließen. Das hieße, Maßnahmen setzen für die Infrastruktur, fürs Image und im gesetzlichen Bereich. Die Initiative hat vor einiger Zeit schon ein Grobkonzept vorgestellt. So soll es Radroutenpläne geben – sie existieren bis dato nur im touristischen Bereich. Und es braucht Öffentlichkeitsarbeit fürs Radfahren. Gerade das Radeln zur Arbeit mache viel Sinn. Die Verschrottungsprämie beim Kauf eines neuen Autos stößt den Rad-Aktivisten sauer auf. „Das ist ökologisch der helle Wahnsinn. Sinnvoller wäre eine Ökoprämie für alle, die sich ein neues Rad kaufen, oder eine Jahreskarte für die Öffis.“
Bewusst ohne Auto. „Für uns“, erzählt Elfi Koblmüller und meint ihre Familie, „war es eine Lebensentscheidung: Wir haben uns bewusst eine Wohnung in der Stadt gekauft, damit wir nicht pendeln müssen.“ In der Stadt wohnen, hält die Wege kurz. Gewinn höher als Tribut. Ganz ähnlich denkt und handelt auch Gerhard Prieler. Die Motivation zum täglichen Radfahren entwi–ckelte sich. Prieler hat immer in der Stadt gewohnt und nie ein Auto gehabt. „Meine Erfahrung ist, der Gewinn dabei ist größer als der Tribut.“ Prieler nennt als einen Gewinn die „Gratis-Fitnesspunkte täglich“. Und was ist der Tribut? – „Man muss längerfristig organisieren. Spontan am Sonntag-Nachmittag, weil das Wetter schön ist, ins Mühlviertel zu fahren, ist halt nicht möglich.“
Linz - Wels - Ried. Die Initiative Fahrrad hat etwa 400 Mitglieder in Oberösterreich und ist vor allem in Linz, Wels und Ried engagiert. Sie beteiligt sich auch an der Aktion Autofasten und rührt politisch um. Sie schlägt bauliche Maßnahmen, etwa Radständer da und dort, vor, setzte in Linz Radfahren auch gegen Einbahnen (30 Fälle) durch, drängt auf das Schließen der etwa 100 Lücken im öffentlichen Radnetz, leistet Bewusstseinsarbeit – z. B. Radfahren mit Licht am Abend! Man ist überzeugt: Der Straßenverkehr muss so aufeinander abgestimmt sein, dass alle nebeneinander und miteinander Platz haben. Baulich getrennte Radfahrwege im innerstädtischen Bereich sind leider oft eine trügerische Sicherheit, wenn Straßen sie queren.
Zum heurigen Solidaritätspreis wurden bis zum Nennschluss (1. März) etwa 180 Vorschläge eingereicht!
- Die Initiative FahrRad OÖ ist Mitglied der österreichweiten Fahrradinitiative ARGUS und trifft sich monatlich im Café Glockenspiel, Linz, Hauptplatz 18. Das nächste Mal am Mittwoch,15. April, um 19 Uhr. Ein Riesenprojekt, an dem derzeit gearbeitet wird: Wo überall in Linz fehlen Radständer? Info: www.ifahrrad.at