Singen ist wie Vorsorge-Medizin. Andreas Peterl geht noch weiter und meint: „Wir brauchen das Singen für unser Mensch-Sein.“ Das Kirchenmusik-Referat bietet Unterstützung an, damit Musik in den Kirchen weiterhin erklingen kann.
Ausgabe: 2016/46
15.11.2016
- Elisabeth Leitner
„Das war die schönste Woche in meinem Leben“, sagt eine Teilnehmerin nach einer Singwoche zum Chorleiter. Sätze wie diese machen nicht nur die Veranstalter glücklich. Sie bringen auf den Punkt, worum es vielen beim Singen geht: Die Stimme zu erheben kann den ganzen Menschen von der Haarwurzel bis zur Zehenspitze erfüllen. Der Atem füllt den Körper, befreit den Kopf, stärkt das Herz. Singen wird als heilsam und sinnerfüllend erlebt. Es macht eine andere Dimension des Mensch-Seins deutlich, die über die bloße Kosten-Nutzen-Rechnung hinausgeht. Das erste Instrument, das jeder Mensch spielen kann, ist daher nicht nur gut für die Psyche und das Wohlbefinden. Singen stärkt die Gemeinschaft. Musik verweist den Menschen auf eine Existenz, die über das körperlich Wahrnehmbare hinausgeht, anders gesagt: „Wir brauchen das Singen für unser Mensch-Sein“, meint Andreas Peterl. Er ist Leiter des Kirchenmusikreferats, ein Leben ohne Musik, ein Leben ohne Singen ist für ihn nicht vorstellbar. Singen ist im religiösen Kontext gesprochen Gotteslob, aber auch die Klage hat vor Gott ihren Platz. Das ganze Mensch-Sein eben. „Wenn Menschen Gottesdienst feiern und singen, dann ist das auch eine künstlerische Tätigkeit“, ist Peterl überzeugt.
Ermutigung, einen Kirchenchor zu gründen
Kein Organist fällt vom Himmel, keine Chorleiterin fängt einfach so zum Dirigieren an und auch ein Kirchenchor gründet sich nicht von allein. Damit Musik in den Kirchen erklingen kann und weiterhin zu hören ist, braucht es die Förderung und Ermutigung von mehreren Seiten. Das Kirchenmusikreferat bietet für die Pfarren vieles an: vom Schnuppertag für Chorleiter/innen und dem Kurs „Improvisation leicht gemacht“ bis zum ökumenischen Organist/innen-Treffen und zur Psalmen-Werkstatt. Aus insgesamt 15 Angeboten können die Leute vor Ort auswählen. Die Unterstützung der Pfarren steht dabei im Vordergrund. An die 500 Personen nutzen jährlich die Angebote des Kirchenmusikreferats. Auf Qualität wird Wert gelegt. Wichtig ist den Referenten Marina Ragger und Andreas Peterl, dass Musik vor Ort möglichst gut musiziert wird. „Es ist nicht egal, was man singt und welche Texte und Lieder man auswählt“, sagen die beiden.
Musik für Kinder– und Jugendliche
Verstärkt wurde das Angebot für junge musikbegeisterte Menschen: Marina Ragger bietet Kurse für Kinder- und Jugendchorleitung an, das werde gut angenommen. Auch die ökumenische Zusammarbeit wird forciert: Es gibt ein gemeinsames Kinderkrippenspiel-Seminar. Im Oktober fand bereits das zweite ökumenische Organist/innen-Treffen statt. 50 Organist/innen aus katholischer und evangelischer Kirche nahmen daran teil, von jung bis alt. Apropos: junge Organisten. „Von einer großen Organistenkrise wollen wir nicht reden. Es gibt ein Problem, ja. Aber bei den diesjährigen Orgelwochen in Schlierbach mussten wir sogar Teilnehmer/innen abweisen, da wir über 50 Anmeldungen hatten. Ein Viertel der Organist/innen ist unter 25“, erzählen die beiden Referenten. Nächstes Jahr wird es im Herbst zudem einen ökumenischen Kinder-Orgel-Tag geben – gemeinsam mit den Musikschulen.
Kompositionen für Wort-Gottes-Feiern
Auch die Kirchenmusik ist eine Form der Pastoral – und diese bemüht sich, die Bedürfnisse der Menschen an der Basis im Blick zu haben. Deshalb sind heuer drei Komponisten beauftragt worden, Musik für Wort-Gottes-Feiern zu schreiben. „Wir haben gesehen, dass es hier großen Bedarf gibt, diese Feiern musikalisch zu gestalten.“ Die Komponisten Alfred Hochedlinger aus Mauthausen, Wolfgang Reisinger und Peter Planyavsky sind beauftragt worden, je ein Set mit vier Sätzen für Wort-Gottes-Feiern zu schreiben. Ab Mai 2017 werden diese Kompositionen erstmals zu hören sein, die Noten kann man dann über das Kirchenmusik-Referat beziehen.
Kirche als Mäzenin
Befragt nach der Rolle der Kirche als Auftraggeberin großer Werke sagt Andreas Peterl: „Um große Kompositionen wie Oratorien und große Messen in Auftrag zu geben, so wie es die Kirche seit Jahrhunderten tut, fehlen dem Kirchenmusik-Referat die organisatorischen und finanziellen Mittel.“
Musikalischer Ausblick
Advent und Weihnachten sind nun starke Wochen für die Kirchenmusiker/innen und Chorsänger/innen in den Pfarren und Stiften. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für den ökumenischen Gottesdienst am 27. November. Dieser wird in der evangelischen Versöhnungskirche in Linz-Dornach mit Bischof Michael Bünker und Diözesanbischof Manfred Scheuer gefeiert und beginnt um 9.30 Uhr. Die musikalische Gestaltung liegt in den Händen der katholischen und evangelischen Kirchenmusiker Marina Ragger, Andreas Peterl, Franziska Leuschner und Josef Habringer. Und ab Jänner 2017 kann der überarbeitete Behelf für „Musik in der WortGottes-Feier“ im Referat für Kirchenmusik bestellt werden. Gemeinsames Singen wird dann noch vielfältiger. «
Info: TV-Übertragung, ORF 2, 27. 11. 2016, 9.30 Uhr. Kontakt Kirchenmusik-Referat für Fortbildungen und Behelfe, Noten: Tel. 0732/76 10-31 11.