Priesterrat und Dechanten unterstützen Bischof Ludwig Schwarz im „Dienst an der Einheit“ für die Diözese Linz. Doch sie sagen auch: Rom soll auf die Sorgen der Ortskirchen besser hören.
Der Priesterrat der Diözese Linz setzt sich dafür ein, „dass ein Klima der Besonnenheit auf allen Ebenen kirchlichen Lebens gefördert wird“. Nach den Turbulenzen der jüngeren Vergangenheit war man in den beiden Gremien letzte Woche merklich um Entspannung bemüht. „Die Dechanten unterstützen den Bischof nach Kräften in seinem Dienst der Einheit“, heißt es in der Erklärung der Dechantenkonferenz, die am 19. März im Bildungshaus Schloss Puchberg stattfand. „Ein offener und wertschätzender Dialog und das gemeinsame Gebet sind wichtige Säulen des Miteinanders“, heißt es weiter. Tags darauf war man im Priesterrat bemüht, nach den Turbulenzen neu Fuß zu fassen. In ruhiger und – wie Sprecher Johann Padinger betont – einmütiger Atmosphäre wurde bei den Konfliktthemen der letzten Zeit nach einem gangbaren Weg gesucht.
Ein hörendes Herz. Zu den nach der gescheiterten Weihbischofsernennung spürbaren Spannungen meinten die Dechanten: „Es braucht ein hörendes Herz, damit die Unterschiede zu einem befruchtenden Miteinander werden.“ Gemeint war auch das Hinhören Roms auf die jeweiligen Ortskirche. Im Priesterrat äußerte man sich „zuversichtlich, dass Entscheidungen des Papstes in Hinkunft im aufmerksamen Hinhören und im guten Einvernehmen von Gläubigen, Bischöfen und Priestern getroffen werden“.
Priesteramt braucht Weiterentwicklung. Beide Gremien befassten sich auch eingehend mit der jüngsten Diskussion um den Zölibat. Viele Dechanten bedauern das Ausscheiden von Pfarrer Josef Friedl aus dem Kreis der Dechanten. Die Konferenz zeigte aber zugleich Verständnis für die Maßnahmen des Bischofs, der Friedl als Dechant abberufen hatte. Im Blick auf die große Not in der Seelsorge und auf die Glaubwürdigkeit der Kirche wiesen die Dechanten darauf hin, „dass die gegenwärtigen weltkirchlichen Rahmenbedingungen für das Priesteramt neu gestaltet und weiterentwickelt werden sollen“. Auch der Priesterrat bekräftigt diese Position. Er rät dabei „zur Besonnenheit in der Diskussion“. Die Sicherung der Seelsorge in den Pfarren brauche eine sachliche Gesprächsatmosphäre. Wörtlich heißt es in der verabschiedeten Erklärung: „Im Dialog muss dafür Platz sein, dass man sich sowohl für den unbestrittenen Wert der zölibatären Lebensform der Priester einsetzen kann wie auch für eine Öffnung auf ein priesterliches Dienstamt, das in der Zukunft auch von Verheirateten wahrgenommen werden könnte.“ Auftretende Differenzen in dieser Frage sollen nicht vorschnell personalisiert in die mediale Öffentlichkeit gebracht werden.
Priester sind oft „Einzelkämpfer“. Viele Priester seien wegen des Priestermangels als „Einzelkämpfer“ immer mehr auf sich allein gestellt. Pfarrhofgemeinschaften kämen immer seltener zustande, die Verkehrswege zueinander wären oft lange. Unter Priestern Gemeinschaft zu pflegen, werde daher immer schwieriger. Trotzdem wollen die Priester vermehrt das nachbarschaftliche Miteinander suchen. „Die Not ist groß“, formulierte auch einer der Dechanten. „Es wird bald nicht mehr möglich sein, in jeder Pfarre Osternacht zu feiern“, dann nämlich, wenn die verhältnismäßig große Zahl der älteren Aushilfspriester nicht mehr zur Verfügung stehe.
Für Einheit beten. Sehr positiv stellten sich Dechanten und Priester zum Anliegen von Bischof Schwarz, zunächst im Linzer Mariendom, nach Ostern auch in einzelnen Regionen, zu Gottesdiensten und zu Gesprächen für eine gute Zukunft in der Diözese Linz einzuladen. Bereits am kommenden Sonntag wird ein solcher Gottesdienst im Dom gefeiert.