Dr. Josef Ratzenböck erzählt über Höhepunkte in seinem politischen Leben
Ausgabe: 2009/16, Ratzenböck, Geburtstag, Leben, Politik
15.04.2009
- Matthäus Fellinger
Am 15. April feiert Dr. Josef Ratzenböck seinen 80. Geburtstag. Von 1977 bis 1995 war er Landeshauptmann von Oberösterreich.
Seit 6 Uhr morgens sitzt Dr. Josef Ratzenböck an seinem Schreibtisch im 3. Stock des Heinrich-Gleissner-Hauses an der Donaulände – auch heute, eine Woche vor dem 80. Geburtstag. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ohne Beschäftigung bin“, meint er. Die Ausgabe vom 14./15. April 1945 der „Oberdonau-Zeitung“ liegt vor ihm. Es war das Wochenende, an dem der junge Josef Ratzenböck seinen 16. Geburtstag „beging“ – von Feiern war damals keine Rede. Von „schwerem Feinddruck an Elbe und Saale“ ist auf der Titelseite zu lesen, und dass „die Juden Deutschland zur Wüste machen“ wollten. Josef war als Gymnasiast in der 6. Klasse zur Wehrmacht eingezogen worden. In Bad Schallerbach erlebte er die Tiefflieger, „so nahe, dass ich das Gesicht des Piloten sehen konnte“.
Der Fall des Eisernen Vorhangs. 44 Jahre später, 11. Dezember 1989: Landeshauptmann Josef Ratzenböck und der südböhmische Kreisvorsitzende Miroslav Senkyr durchschneiden den Eisernen Vorhang in Wullowitz. Ratzenböck bezeichnet diesen Moment als den markantesten seines politischen Lebens.„Wir hatten vergessen, dass hinter dem Eisernen Vorhang Menschen lebten“, erzählt er. Mit dem Vorhang hatte man sich abgefunden. „Die Meinung war: Er wird bestehen, außer er wird durch einen Krieg beseitigt, und zwar unter Einsatz von Atomwaffen.“ Dass der Vorhang fiel, dass er dabei selbst seine Hand im Spiel haben durfte, ist für Ratzenböck ein Wunder. Dieses Ereignis nennt Ratzenböck noch vor dem anderen großen Tag seiner Laufbahn, dem 1. Jänner 1995. Österreich war Mitglied bei der Europäischen Union geworden. Die Chance, dass künftig keine Fünfzehnjährigen mehr für sinnlose Kriege geopfert würden, war damit enorm gewachsen. Friedenssicherung ist eines der politischen Hauptziele Ratzenböcks gewesen. „Jeder Weltkrieg war ein europäischer Krieg“, gibt Ratzenböck zu bedenken. Dass Europa Kriege nicht mehr exportiert – wie die beiden Weltkriege –, sondern den Frieden in die Welt hinausträgt, ist für ihn die große europäische Aufgabe. „Wissen Sie“, hebt Ratzenböck zum nächsten Satz an: „Die gute alte Zeit, von der Menschen träumen, die gibt es: Wir haben Sie heute. Und Ziel muss sein, diese gute alte Zeit für die Zukunft zu sichern.“
Für alte Menschen engagiert. Schon als Jungpolitiker engagierte sich Josef Ratzenböck für ältere Menschen. Der von ihm 1956 gegründete „Pensionisten- und Rentnerbund“ (später: Seniorenbund) hat heute rund 70.000 Mitglieder. Am Tag nach dem Geburtstag, am 16. April, stellt sich Ratzenböck erneut für vier Jahre der Obmannwahl. Er will die ältere Generation nicht nur versorgt wissen: „Wir können selbst viel beitragen, dass die Probleme des Älterwerdens auch gemeistert werden.“ Ein wichtiger Tag in seinem Politikerleben war immer der Dienstag. Von 6 Uhr früh bis 20 Uhr widmete er sich beim Sprechtag den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Vor seiner Zeit als Landeshauptmann war Ratzenböck stark im Wohnbau engagiert. Mit dem „Ratzenböck-Plan“, der die frühzeitige Rückzahlung langfristiger Kredite ermöglichte, hat er das damals für den Wohnbau nötige Geld aufgetrieben. Und auch das Landesmusikschulwesen zählt zu den Erfolgen, die ihn noch heute mit Stolz erfüllen. Das Landesmusikschulgesetz hat die Grundlage gelegt, dass Oberösterreichs Musikwesen so gut dasteht. Vor dem Älterwerden und dem Heranrückendes Lebensendes hat Ratzenböck keine Angst. Was Glaube und Religion in seinem Leben bedeuten, darauf hat er eine knappe Antwort: „Ein ganz stark prägendes Element.“
Zur Person
Josef Ratzenböck wurde am 15. April 1929 als Sohn eines Gast- und Landwirtsehepaares in Neukirchen a. Walde geboren. Er ist Jurist und begann seine politische Laufbahn im Landesparteisekretariat der ÖVP. 1956 gründete er den damaligen Rentner- und Pensionistenbund in Oberösterreich. 1969 bis 1977 Landesparteisekretär, 1973 Landesrat für Finanzen. Von 3. Oktober 1977 bis 2. März 1995 war Dr. Ratzenböck Landeshauptmann von Oberösterreich. Verheiratet ist er mit Anneliese Ratzenböck.