Angeregt durch das Motto der Jahrestagung „Religionslehrer – ein unmöglicher Job?“ erzählt Josef Preundler, was ihm der Unterricht bedeutet. „Ich rede gerne mit jungen Menschen über Fragen, die sie bewegen“, sagt er.
Unmöglich findet Josef Preundler seinen Job nicht, schwierig schon. Denn auch eine Landwirtschaftsschule ist für den Religionsunterricht kein „gelobtes Land“. Wie an jeder anderen Schule stellt das Fach Religion eine Herausforderung dar. Die 170 Burschen und fünf Mädchen an der Schlierbacher Schule bringen ein religiöses Grundverständnis mit, sind mit den Bräuchen des Kirchenjahres vertraut und es gibt keine Abmeldung vom Religionsunterricht, erzählt Preundler. Das sind gute Voraussetzungen, ersparen aber dennoch nicht die Auseinandersetzung.
Lebensthemen an erster Stelle. Wie bei allen Jugendlichen führt die Hitliste der Themen, die sie interessieren, die Frage nach Sexualität, Liebe und Partnerschaft an. Leben nach dem Tod, Okkultismus und Weltreligionen sind weitere „In“-Themen. Wenn Schüler im Familien- oder Bekanntenkreis von Schicksalsschlägen getroffen werden, hat das selbstverständlich Platz. Innerkirchlich heiße Eisen, wie die Aufhebung der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Bischof Williamson kratzen die Schüler nicht wirklich. Auch die Geschichten der Bibel zählen nicht zu den Rennern. Aber trotz allem bemüht sich Preundler Orientierung im Geist der Bibel zu vermitteln. Eine Hilfe dabei ist ihm ein eigener Meditationsraum. Die Schüler schätzen das Umfeld, wo sie das Korsett des Klassenzimmers hinter sich lassen, am Boden sitzen und zur Ruhe kommen können. Da sind sie aufnahmebereit für das, was er ihnen vermitteln möchte: Dass es um mehr geht als Technik und Traktoren. Dass im Leben Perspektiven und Sinn wichtig sind, die der Glaube schenken kann.
Religionsunterricht in Zahlen
- An den 19 landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen Oberösterreichs unterrichten 20 Religionslehrer/innen etwa ca. 2500 Schüler/innen.
- In den 26 Berufsschulen Oberösterreichs sind 35 Religionslehrer/innen eingesetzt. Von den heuer rund 29.500 Lehrlingen besuchen 70 Prozent den Freigegenstand Religion.
Zur Sache
Religion mit fremden Gesichtern
Dass 70 Prozent der 29.500 Lehrlinge Oberösterreichs den Religionsunterricht besuchen, stellt für den Berufsschullehrer Reiner Jungnitsch eine große Chance dar. Sie ist allerdings nicht einfach zu nützen. Die Lehrlinge sind kaum mehr kirchlich sozialisiert und können mit den herkömmlichen kirchlichen Themen sowie der traditionellen religiösen Sprache wenig anfangen. An die fünfzig Oberösterreichische Lehrer/innen haben sich bei ihrer Jahrestagung im Bildungshaus Schloss Puchberg mit dem Referenten Reiner Jungnitsch die Frage gestellt, ob an einer Landwirtschafts- oder einer Berufsschule Religion zu unterrichten nicht im Grunde ein unmöglicher Job sei.
Vielfältig. Jungnitsch hält es für einen Irrtum zu glauben, Jugendliche hätten keine Religion und keinen Glauben. „Religion ist ein höchst vielfältiges Phänomen und zeigt sich mit recht fremden Gesichtern. Über die ist dann zu reden.“ Das eröffnet dem Religionsunterricht große Möglichkeiten. Wer die Schüler/innen ernst nimmt, sich auf ihre Erfahrungen und Sprache einlässt, kann mit ihnen auch in einen religiösen Dialog eintreten, so Jungnitsch.
Reiner Jungnitsch unterrichtet in Deutschland an einer Berufsschule und war Referent bei der Jahrestagung 2009 für Religionslehrer/innen in Berufs- und Landwirtschaftsschulen.