Erholsame Gebetsformen, ein toleranter Zugang zum Glauben und eine tolle Gemeinschaft. Für Jugendleiter Michael Brandstätter übt Taizé eine große Faszination aus. So wird er auch Ende Dezember zum Taizé-Treffen nach Polen pilgern. Im letzten Sommer nutzte Michael Brandstätter eine seiner letzten Chancen. „Wenn du nach Taizé pilgern willst, musst du das unbedingt vor deinem 30. Geburtstag machen“, hatte ihm ein Freund dringend geraten. Denn der französische Wallfahrtsort ist ganz auf die Jungen ausgerichtet. Wer älter als 30 ist, muss gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen. So erfüllte sich der 29-jährige Jugendleiter des Dekanates Ried im Innkreis den lang ersehnten Kindheitstraum und machte sich zum ersten Mal in seinem Leben auf nach Taizé. Eine Woche lang lebte Michael Brandstätter im Ein-Mann-Zelt, betete, arbeitete und sang in einer internationalen Gemeinschaft von 1500 jungen Menschen mit.
Intime Gespräche. Auf Anhieb fühlte er sich wohl und geborgen. „Ich bin in die Taizé-Gesänge voll eingetaucht. Das ständige Wiederholen der Gesänge hat eine meditative und sehr erholsame Wirkung, aus der ich viel Kraft schöpfen konnte“, erzählt Brandstätter. Zudem könne man in Taizé sehr gut Kontakt mit Gleichgesinnten knüpfen, nicht zuletzt bei den gemeinsamen Arbeitsdiensten. Aber auch bei den Bibelrunden, die in Taizé im intimen Rahmen stattfinden. „Wir haben darüber gesprochen, wo ein jeder im Glauben ansteht und nicht mehr weiterweiß. Es hilft sehr viel, wenn man sich dafür öffnet“, meint er. Es gehe jedenfalls nicht darum, andere von den eigenen Ansichten zu bekehren. In dem ökumenischen Taize- Orden, der zur Versöhnung unter gespaltenen Christen beitragen will, ist Toleranz von zentraler Bedeutung, sind Fundamentalisten fehl am Platz.
30.000 Jugendliche bei Treffen. Die Begeisterung von Taizé soll in seiner Arbeit als Jugendleiter weiterwirken, hat sich Brandstätter vorgenommen, der mit einer Oberösterreich-Gruppe den Jahreswechsel beim jährlichen TaizéTreffen verbringt. Heuer findet es im polnischen Posen statt, wo insgesamt 30.000 Jugendliche erwartet werden. 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus stehen an dem geschichtsträchtigen Ort Solidarität und Frieden in der Welt im Mittelpunkt. Brandstätter: „Meine Erwartungen sind vielleicht etwas einfacher. Ich hoffe, dass eine nette Gemeinschaft entsteht, mit anderen Leute über den Glauben ins Gespräch zu kommen und dass ich nicht allzu sehr frieren muss.“
Ökumenischer Orden
Die Gemeinschaft von Taizé (Frankreich) ist ein ökumenischer Männerorden. Der Orden ruft insbesondere zur Friedensarbeit und zur Versöhnung in der Kirche auf. Als Etappe auf diesem Pilgerweg werden seit 1978 zum Jahreswechsel mehrtägige Europäische Jugendtreffen vorbereitet. 2009/ 2010 findet es in Posen(Polen) statt.