Viele Jahre hat Herta Müller unter der Diktatur Ceausescus in Rumänien gelitten. In ihren literarischen Werken zieht sich das Thema von totalitären Systemen, in denen „der Einzelne nichts zählt“, wie ein roter Faden durch. Am 10. Dezember hat die Schriftstellerin den Literaturnobelpreis erhalten.
Ihre literarische Sprache ist kraftvoll, ausdrucksstark und reich an Bildern. Ihre Texte handeln von Tyrannei, Angst, Kontrolle, Bedrohung, Menschenverachtung und Deportation in Diktaturen, die „den Menschen ihre Würde nehmen“. Das Schreiben ist für Herta Müller oft eine Qual, doch damit aufhören kann sie nicht. Es hilft, das Erlebte, das sie nicht vergessen kann, zu verarbeiten. Sie hat sich stets gegen das Ceausescu-Regime gestellt. Als sie sich 1979 weigerte, mit der Securitate zusammenzuarbeiten, wurde sie in der Fabrik, in der sie als Übersetzerin arbeitete, entlassen, immer wieder verhört und schikaniert. „Ich habe so viel Unglück gesehen, ich hätte nie so tun können, als hätte ich etwas für dieses System übrig. Das ist für mich noch heute das Wichtigste. Aus diesem Anstoß heraus sind alle meine Texte entstanden“, so Müller.
Emigration. Geboren wurde die Schriftstellerin im rumänischen Nitzkydorf als Banater Schwäbin. Ihre Familie zählte in Rumänien zur deutschen Minderheit. Der Großvater, ein reicher Bauer, ist unter dem kommunistischen Regime enteignet, die Mutter später zu jahrelanger Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert worden. Herta Müller studierte Germanistik und Rumänistik in Timisoara, danach arbeitete sie als Übersetzerin, Lehrerin und Autorin. Nachdem offene Gespräche über das totalitäre System Ceausescus immer riskanter wurden, habe Müller zu schreiben begonnen. 1987 emigrierte die heute 56-Jährige in die Bundesrepublik Deutschland.
Herta Müller: „Ich habe mir nie vorgenommen zu schreiben. (...) Als ich zum Staatsfeind gemacht worden war, distanzierten sich die Kollegen in der Fabrik von mir, sie mieden mich, und so wurde ich in die Einsamkeit hineingetrieben. Das hat wehgetan, und da habe ich angefangen zu schreiben.“