Es ist gewiss oft nicht einfach für kirchliche Vorgesetzte, festzustellen, was an Missbrauchsvorwürfen gegenüber Priestern Fakt ist. Deshalb hat auch der ehemalige Ombuds- mann der Erzdiözese Wien, Helmut Schüller, die Bischofskonferenz mehrfach aufgefordert, klare Regeln aufzustellen, wie in solchen Fällen vorzugehen ist. Bis heute gibt es diese Regeln nicht. Offenbar fehlt immer noch die Einsicht, dass der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ein „abscheuliches Verbrechen“ (Papst Benedikt) ist, das weder in der Gesellschaft und schon gar nicht in der Kirche geduldet werden darf. Dass nun im katholischen Irland die Kirche wegen ihres unerträglichen Wegschauens und Vertuschens zutiefst erschüttert wird, straft alle Lügen, die meinten, sie müssten die Kirche auf diese Weise – und auf Kosten der Opfer – vor Skandalen bewahren.
Hans Baumgartner
Gerechtigkeit für die Opfer
Tausende Menschen sind während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983) verschwunden, weil sie sich kritisch gegen das brutale Regime gestellt hatten. Seit Jahren setzen sich Mütter, deren Söhne und Töchter entführt wurden und bis heute nicht mehr aufgetaucht sind, dafür ein, dass die Verbrechen aufgeklärt und die Täter für ihre grauenhaften Vergehen verurteilt werden. Jetzt, 30 Jahre später, scheint sich dieser Wunsch der Betroffenen nach Gerechtigkeit endlich zu erfüllen – zwar nicht alle, aber einige der Täter stehen nun wegen Mordes und Folter vor Gericht.