Innerhalb eines Jahres wurde die irische Kirche durch zwei Untersuchungsberichte massiv belastet: Sie hat den Missbrauch von Kindern systematisch vertuscht. Der Papst rief die irische Kirchenspitze nach Rom.
Am Freitag vergangener Woche fand in Rom eine Aussprache zwischen Papst Benedikt, höchsten Vertretern der Kurie sowie dem Vorsitzenden der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, und dem Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, statt. Auslöser für die Krisensitzung war der wenige Tage zuvor veröffentlichte Report einer von der Richterin Yvonne Murphy geleiteten offiziellen Untersuchungskommission. Demnach hat die Erzdiözese Dublin mehr als 30 Jahre hindurch zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester vertuscht und durch falsches Handeln weiter ermöglicht. Vor allem der Bischof von Limerick, Donald Murray, ist dabei in die Schusslinie geraten. Er soll als Weihbischof von Dublin für zahlreiche Vertuschungsfälle verantwortlich gewesen sein. In Rom dürfte auch über seinen Rücktritt verhandelt worden sein. Insgesamt ist die Kommission Missbrauchsvorwürfe von 450 Personen seit 1975 nachgegangen.
Restlos aufklären. Die Spitzenvertreter der Kirche haben sich bei den Opfern, aber auch bei den Gläubigen für das „beschämende Verhalten“ entschuldigt. Papst Benedikt verurteilte den Missbrauch von Kindern durch Priester als „abscheuliche Verbrechen“. Er teile „die Empörung, das Gefühl des Verrates und der Scham, das so viele Gläubige in Irland empfinden.“ Der Papst pocht auf restlose Aufklärung – auch hinsichtlich der Verantwortung in der Amtsführung. Und er kündigte einen Brief an die Katholiken Irlands an. Die scharfe Reaktion des Papstes hat auch damit zu tun, dass erst im Mai dieses Jahres ein Untersuchungsbericht veröffentlicht wurde, der die systematische Misshandlung und den sexuellen Missbrauch von Tausenden Jugendlichen in Erziehungs- und Waisenheimen kirchlicher Orden zwischen 1914 und 2000 aufgedeckt hat. Eine Reihe von Orden hatte die Untersuchungen massiv behindert.