Der UN-Klimagipfel in Kopenhagen sei womöglich das „wichtigste Treffen der ganzen menschlichen Geschichte“, meint der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff.
Klettert die Temperatur der Erde auf über zwei Grad Celsius, „hätte das fatale Folgen für die Welt und es werden möglicherweise viele Menschen sterben. Ich hoffe, dass die Vernunft siegt und dass die Leute mehr Interesse am Leben haben als an Macht und Gewinn“, sagt Leonardo Boff und unterstreicht damit die Befürchtung vieler Klimaforscher. Boff ist Mitbegründer der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, die sich als Stimme der Armen versteht und sich für ihre Befreiung aus Unterdrückung und Ausbeutung einsetzt. Doch „heute schreien nicht nur die Armen, es schreien auch die Wälder, das Wasser, die Tiere, es schreit die ganze Erde. All diese Schreie sind Ausdruck einer Ausbeutung“, kritisiert Boff. Der Klimawandel sei eine besondere Herausforderung auch für die Befreiungstheologie, die sich mit diesem Thema ernsthaft auseinandersetzt. Die Kirchen hätten einen Beitrag zur Veränderung der Welt zu leisten, so der Theologe. Die Frage ist, „inwieweit das lebendige Christentum die Bevölkerung mobilisieren kann, sich für mehr Gerechtigkeit und strukturelle Veränderungen, die notwendig sind, zu engagieren“, sagt Boff.
Klimasünder. Brasilien liegt aufgrund von Brandrodungen und der Abholzung des Regenwaldes an vierter Stelle der weltweit größten Klimaverschmutzer. Leonardo Boff und die CPT-Mitarbeiterin Marluce Melo engagieren sich in ihrer brasilianischen Heimat verstärkt gegen Klimawandel, Armut und Unterdrückung. Beide sind Projektpartner der Dreikönigsaktion und haben kürzlich in Wien von ihrer Arbeit berichtet. In Brasilien habe Präsident Lula da Silva im Hinblick auf nachhaltigen Umweltschutz wenig Bewusstsein entwickelt. Marluce Melo kritisiert, dass die brasilianische Regierung die Ausweitung der Zuckerrohranbauflächen zur Gewinnung des Agro-Treibstoffes Ethanol unterstützt. „Die Folgen dieser Produktion sind dramatisch. So werden dadurch landwirtschaftliche Anbauflächen für Lebensmittel reduziert, traditionelle Bevölkerungsgruppen von ihrem Land vertrieben, Wälder abgeholzt, Flüsse verschmutzt und Menschenrechte missachtet“, sagt Melo. Die landwirtschaftlichen Flächen weltweit sollten in den Händen der Bauern sein, die mit ihrer Arbeit für „volle Teller sorgen und nicht die Tanks füllen.“
Im Blick
UN-Klimagipfel
Durch die Erderwärmung schmelzen die Gletscher und das Eis in der Arktis mehr und mehr. Steigt der Meeresspiegel weiter, sind dadurch zahlreiche Küstengebiete gefährdet. In machen Gegenden werden Wirbelstürme und Überschwemmungen zunehmen, in anderen Teilen der Welt werden sich Dürregebiete ausbreiten. Für den Menschen bedeutet das eine vermehrte Gefahr durch Klimakatastrophen. Um das zu verhindern, braucht es beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen (7.–18. 12.) verbindliche Klimaschutzziele zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Gefordert sind hier vor allem die größten CO2-Verursacher, allen voran China, gefolgt von den USA. Weiters müssten reiche Industriestaaten arme Länder beim Klimaschutz mit wirksamen Finanzzusagen unterstützen.