Ausgabe: 2009/51, Sonntag, Evangelium, Lesung, beschenkt, Hildegard Nies, 4. Adventsonntag, Wort zum Sonntag, Josef Walder, einander Segen werden, Gnade, Lukas, Elisabeth, Maria, Aufbruch, Frauen
16.12.2009
Maria machte sich auf den Weg und eilte zu Elisabeth. Dieses Bild von Marias Aufbruch ist auch Ausdruck für den Aufbruch zum wahren Ursprung: Den Himmel sehen wollen, die Suche nach Größerem, denn die Seele des Menschen dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. In der Offenheit der beiden Frauen füreinander spiegelt sich ihre Offenheit für Gott.
Evangelium
Lk 1, 39–45
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
1. Lesung
Micha 5, 1–4a
Aber du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. Darum gibt der Herr sie preis, bis die Gebärende einen Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder heimkehren zu den Söhnen Israels. Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Gottes. Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.
2. Lesung
Hebr 10, 5–10
Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle –, um deinen Willen, Gott, zu tun. Zunächst sagt er: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht, du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden; dann aber hat er gesagt: Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun. So hebt Christus das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt.
Beschenkt
mit Gnade und Frucht und neuem Leben verknüpfen sie Glück und Jubeln und weben ein Muster aus zärtlichem Blau und leuchtendem Gold bis am Ende ganz am Ende Himmel und Erde einander berühren für die Ankunft dessen der Großes an ihnen getan hat.
Hildegard Nies
Wort zum Sonntag
Einander Segen werden
Maria bricht auf zu Elisabeth. Dieses Bild ist auch Ausdruck für den Aufbruch zum wahren Ursprung: Wir wollen den Himmel sehen, wir suchen nach Größerem, denn die Seele des Menschen dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. In der Offenheit der beiden Frauen füreinander spiegelt sich ihre Offenheit für Gott. Und Gott bringt die Menschen zusammen. „Gesegnet bist du unter allen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Der Gruß betont den Segen für Maria und Jesus und er wird zum Ausdruck liebevoller Begegnung. Maria und Elisabeth werden einander zum Segen. Die Botschaft der Heiligen Schrift mutet uns zu, dass wir einander aufgetragen sind. Das Heil entfaltet sich in menschlichen Beziehungen. Aus dem christlichen Verständnis vom Menschen folgt, dass wir nicht nur für uns selbst leben. Wir werden einander zum Segen durch eine kleine Geste der Aufmerksamkeit, im Verbleiben am Krankenbett eines Bekannten oder Verwandten. Oder vielleicht gelingt es einfach jemandem das Gefühl zu geben, wie wichtig es ist, dass er einfach da ist. Indem du dich gibst, empfängst du dich. Es ist das Versprechen: Du wirst erst ganz zum Ich in der Zuwendung zum anderen. Das ist das Wesentliche. Indem wir geben, dürfen wir gewiss sein, viel zu empfangen. Und das verändert uns selbst – und die Welt. Der große Theologe Hans Urs von Balthasar hat einmal gesagt: „Ohne den Blick auf Maria droht das Christentum unter der Hand unmenschlich zu werden.“ Ohne diesen Blick wird vieles funktionalistisch, seelenlos und ohne Ruhepunkt. Maria und Elisabeth laden uns ein, dass wir „Mitwandernde“ Gottes und Weggefährten für unsere Nächsten werden. Wo das gelingt, werden wir das Leben finden.
Zum Weiterdenken
Wer nicht auf das Ewige hofft, für den wird dieses Leben zur letzten Gelegenheit. Kenne ich die Sehnsucht nach Gott, nach einem von Gott erfüllten Leben? Nehme ich mir Zeit für Begegnungen, für Freundinnen und Freunde, für die Familie? Wo und wann werde ich zum Segen für andere Menschen?
Josef Walder, Theologischer Referent des Bischofs von Innsbruck.