Menschen brauchen soziale Kontakte, sonst fühlen sie sich einsam. Eine Studie des Marktforschungs-Instituts IMAS könnte eine Anregung sein, zu überlegen, mit wie vielen Menschen man täglich spricht.
„Allein sein“ und „einsam sein“ ist nicht dasselbe. Auch wer in einer großen Stadt wohnt, hat nicht automatisch viele Gesprächspartner/innen. Wer nicht freiwillig allein ist, kann und sollte etwas gegen diese Einsamkeit tun. Einsamkeit kann als großes Leid empfunden werden und auf Dauer den Weg in eine Depression vorbereiten.
Neue Kommunikation. In der Umfragewurde nicht danach gefragt, wie lang und wie intensiv die Gespräche waren. DDr. PaulEiselsberg vom IMAS-Institut weiß aus einer Studie aus Deutschland, dass die Generationen untereinander heute viel weniger miteinander sprechen als früher. Er führt das darauf zurück, dass Jugendliche meist neue Kommunikationsformen wie SMS oder E-Mail nutzen, mit denen Ältere oft weniger anfangen können.
Sich selbst schätzen. Wer mit anderen ins Gespräch kommen will, muss den Anfang bei sich selbst machen. Wer sich selbst nicht wertschätzt, bei dem ist das auch für andere schwierig. Möglichkeiten, sich selbst etwas zu gönnen sind, zum Beispiel ein gutes Essen oder ein schöner Spaziergang, ein Geschenk für sich selbst für etwas, was man gut gemeistert hat.
Austausch. Mehrere Gesprächspartner/innen sind wichtig, weil man nicht mit jedem Menschen über jedes Thema sprechen kann. Mit der Nachbarin kann man vielleicht gut über den Gemüsegarten oder die Kinder sprechen, eine Freundin teilt das Interesse für Politik oder der Vater diskutiert gern über die unterschiedlichen Lebensstile. Wer selbst interessant sein möchte für ein Gespräch, sollte sich auch für die Ansichten des Gegenübers interessieren und nicht nur von sich selbst erzählen – oder gar über Dritte sprechen.
Kontaktmöglichkeiten. Manche fühlen sich einsam, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden und in der Pension die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen vermissen. In dieser Zeit ist es wichtig, eine andere Tätigkeit, ein Hobby oder eine ehrenamtliche Aufgabe zu finden. Das ist eine gute Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen. Auch bei Reisen oder in Kursen kann man Menschen kennenlernen, mit denen man zumindest das Interesse an der Urlaubsgegend oder denInhalt des Kurses teilt.
Zeit schenken. Vielleicht gibt es in der Nähe Menschen, die alleinstehend sind und sich über einen Besuch freuen würden. Viele soziale Einrichtungen organisieren Besuchsdienste – wer einsam ist oder Zeit zu verschenken hat, ist dort sicher willkommen.
Zur Sache
Die Statistik
Das IMAS-Institut hat 1000Frauen und Männer ab 16 Jahre darüber befragt, mit wie vielen Menschen sie „gestern“ gesprochen haben. Die Gruppe ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung. Das sind die Ergebnisse:
- Insgesamt sind Österreicher/innen täglich mit 10,1 Personen persönlich im Gespräch (Männer mit 10,5, Frauen mit 9,7), am Telefon mit 4,6 Personen.
- Die meisten Gesprächspartner haben 30- bis 49-Jährige (12,4 persönlich und 5,5 am Telefon), die wenigsten Menschen ab 50 (6,9 und 3,2).
- Menschen mit Volks- oder Hauptschulabschluss haben durchschnittlich 6,4 Gesprächskontakte, am Telefon 3,4. Mit der Bildung steigt die Zahl derKontakte auf 13 persönliche und 6 tägliche Telefon-Gespräche.
- Arbeiter/innen reden jeden Tag mit 7 Menschen (am Telefon 3,7), Facharbeiter mit fast 10(4,3 Telefon). Selbstständige, freie Berufe und Landwirte haben mehr als 10 persönliche Gespräche und 4,3 am Telefon. die meisten Kontakte haben leitende Angestellte und Beamte mit mehr als 12 persönlich und 6 am Telefon.
- Am wenigsten reden nach dieser Untersuchung Leute in ländlichen Regionen miteinander: In Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern kommen die Menschen auf durchschnittlich 9 Gesprächspartner pro Tag, 4 am Telefon. In Klein- und Mittelstädten haben sie 11Gesprächskontakte, am Telefon 5, ähnlich ist das Ergebnis für die Landeshauptstädte und für Wien.
- Drei Prozent haben angegeben, mit niemandem gesprochen zu haben, 14 Prozent haben mit niemandem telefoniert.