Kinderarbeit: Im indischen Maddur Mandal (Bundesstaat Andrah Pradesh) arbeiten rund 200.000 Kinder, vor allem Mädchen, auf Baumwoll-Plantagen. Mädchen werden in Indien stark benachteiligt, weil sie weniger wert sind als Buben und als Menschen zweiter Klasse angesehen werden.
Indische Mädchen, die auf Baumwoll-Plantagen arbeiten, sind keine Seltenheit. Im Mittelpunkt der Sternsingeraktion 2010 stehen daher Kinderrechte und Bildung.
Geschickt entfernen die Mädchen mit ihren zarten Fingern die Blumenblätter der Baumwollpflanzen, um sie zu kreuzen. Von frühmorgens bis spätabends schuften Kinder zwischen sechs und 15 Jahren auf den Plantagen. Inmitten der Baumwollgewächse, die den jungen Arbeiterinnen fast bis zu den Schultern reichen, arbeiten sie sich von einer Pflanze zur nächsten durch. Oft sind ihre Hände ganz wund von der mühevollen Beschäftigung.
Schuldknechtschaft. Auf den Baumwoll-Feldern in Maddur Mandal im südindischen Bundesstaat Andrah Pradesh arbeiten rund 200.000 Kinder. In dieser Region gibt es viele Dalits und indigene Gruppen, die besonders benachteiligt sind und unter extremer Armut leiden. Die Menschen leben vor allem von der Landwirtschaft. Da Saatgut sehr teuer ist, bleibt den Familien oft nichts anderes übrig, als sich Geld von Landbesitzern zu leihen. Um die Schulden abzuarbeiten, müssen die Kinder, meistens Mädchen, oft über Jahre in Schuldknechtschaft auf den Baumwoll-Plantagen rackern, anstatt zur Schule zu gehen. Mädchen sind begehrte Arbeitskräfte, da sie sich wegen ihrer Körpergröße nicht bücken müssen und somit schneller sind als erwachsene Frauen. Das kommt der Profitgier der großen Baumwollfirmen zugute. Dass Kinderarbeit verboten ist, scheint sie genausowenig zu stören wie die gesundheitlichen Gefahren, denen die Mädchen durch die Pestizide, die sie bei der Arbeit einatmen und über die Haut aufnehmen, ausgesetzt sind. Häufig treten Atemprobleme, Kopfschmerzen und Haut-ausschläge auf, doch Zugang zu medizinischer Behandlung gibt es für sie nicht.
Bildung. Um aus Armut und Abhängigkeit herauszukommen, ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg. Die indische Organisation „Reeds“, Projektpartner der Dreikönigsaktion, setzt sich seit fast 20 Jahren für bessere Zukunftschancen für junge Frauen und gegen Kinderarbeit ein. „In unserem Trainingscenter können Mädchen handwerkliche Fähigkeiten lernen wie etwa Nähen oder Körbe flechten. Daneben bilden wir Volunteers aus, die in die Dörfer der Region gehen, um die Menschen über Ausbildungsmöglichkeiten, Gesundheits- und Ernährungsmaßnahmen, staatliche Hilfsangebote und über ihre Rechte aufzuklären“, berichtet Reddy Satya Bhupal, Direktor von „Reeds“. Wichtig sei, die Eltern davon zu überzeugen, dass sie nicht nur die Buben, sondern auch die Mädchen zur Schule schicken. „Problematisch ist, je älter und besser ausgebildet die Mädchen sind, desto schwieriger ist es, sie zu verheiraten, da die Mitgift teurer wird. So schickt man die Mädchen erst gar nicht in die Schule. Auch dagegen kämpfen wir an“, so Usha Sree Chowdarpally, pädagogische Mitarbeiterin bei „Reeds“.
IM BLICK
Sternsingeraktion
In Österreich werden rund um das Dreikönigsfest wieder 85.000 Sternsinger/innen der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, Spenden sammeln für Menschen in Not in den Ländern des Südens. Mehr als 500 Hilfsprojekte wurden 2009 mit den Spendengeldern unterstützt. Schwerpunktland 2010 ist Indien. Im Zentrum stehen zwei Projekte, in denen es vor allem um Bildung und Kinderrechte geht. Unterstützt wird zum einen das Projekt „Cass“, das sich beispielsweise gegen Kinderarbeit in den Minen der Kohlebergwerke einsetzt. Beim Projekt „Reeds“ geht es u. a. um den Kampf gegen Kinderarbeit auf Baumwoll-Plantagen.