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Sonntag: Liebevoll gehalten

Fest der Heiligen Familie (Lesejahr C), 27. Dezember 2009
Ausgabe: 2009/52, Sonntag, Heilige Familie, Lesung, Evangelium, Marti
22.12.2009
Gutes, sorgsames und respektvolles Umgehen miteinander ist der Boden für gemeinsames Auskommen und gelingendes Leben in einer Familie. Jesus weiß darum, aber gleichzeitig verweist er auf eine Familie, die jede andere übersteigt. Seine Bindung an Gott, den Vater im Himmel, steht über der zu seiner leiblichen Familie. Letztlich schenkt Gott allen Menschen diese Kindschaft. Durch Jesus werden wir zu Söhnen und Töchtern Gottes.

1. Lesung: 1 Sam 1, 20–22. 24–28


Hanna, die Frau Elkanas, wurde schwanger. Als die Zeit abgelaufen war, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel, denn sie sagte: Ich habe ihn vom Herrn erbeten. Als dann Elkana mit seiner ganzen Familie wieder nach Schilo hinaufzog, um dem Herrn das jährliche Opfer und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen, zog Hanna nicht mit, sondern sagte zu ihrem Mann: Ich werde den Knaben erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen; dann soll er vor dem Angesicht des Herrn erscheinen und für immer dort bleiben. [. . .] Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung. Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli, und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten. Ich habe um diesen Knaben gebetet, und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe. Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den Herrn an.

2. Lesung: 1 Joh 3, 1–2. 21–24


Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. [. . .] Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Evangelium: Lk 2, 41–52


Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.




Ich verspüre . . .


Ich verspüre, sinnt eine Frau,
dass Gott das Geheimnis des Lebens ist,
zart und zerbrechlich.
[. . .] Gott setzt sich,
verletzbar, vernichtbar geworden,
aufs Spiel
im gewagtesten, im gefährlichsten seiner Geschöpfe.

Aus: Kurt Marti, die gesellige Gottheit





Wort zum Sonntag


Wunschkind Gottes


Wohl zu keiner Zeit des Jahres sehnen wir uns so sehr nach Frieden und Geborgenheit wie zu Weihnachten. Die Erwartungen sind hoch. Aber wie vielen Menschen und Familien ist nicht nach Weihnachten zumute? Es gibt die Familie in der Krise, isoliert und vergessen, einander entfremdet, krankmachend, zerbrochen. Es gibt allein erziehende und alleingelassene Eltern. Die heile Welt und die harmonische Familie lassen sich auch zu Weihnachten nicht einfach herstellen.

Ein nüchternes Bild von Familie zeigen auch die Angst und Sorge Josephs und die Betroffenheit Marias. „Kind, wie konntest du uns das antun?“ fragt die Mutter Maria vorwurfsvoll. Die Eltern erwarten Gehorsam. Aber die Spannung durch entgegengesetzte Ansichten und Vorstellungen wird spürbar.

Wie oft kommt es in den Konflikten zwischen Generationen zu Diskussionen voll von Missverständnissen. „Wir wollen aber nicht so sein wie unsere Eltern“, kann man gar nicht so selten hören. Aber letztlich sind alle gefordert. Es braucht die Anstrengung, sich auf die Sorgen des anderen einzulassen, auch wenn nicht alles geklärt werden kann. Gemeinsames Auskommen und gelingendes Leben erwächst aus einem Klima des guten, sorgsamen und respektvollen Umgangs miteinander und ist Geschenk Gottes.

Jesus weiß um dieses Geschenk Gottes und verweist zugleich auf eine Familie, die jede andere übersteigt. „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ fragt er seine Eltern. In dieser Frage wird deutlich, dass seine Bindung an Gott, den Vater im Himmel, über der zu seiner leiblichen Familie steht. Und letztlich schenkt Gott uns allen die Kindschaft. Durch Jesus werden wir alle zu Söhnen und Töchtern Gottes. (vgl. Gal 4). Jede und jeder ist ein Wunschkind Gottes. Das ist die eigentliche Würde des Menschen.

Zum Weiterdenken


Was erwarte ich von meinen Eltern, von meiner Ehepartnerin, von meinem Ehepartner, von meinen Kindern? Kann ich Gott fragen: Was ist dein Wunsch von mir und für mich?

Josef Walder, Theologischer Referent des Bischofs von Innsbruck.

Den Autor erreichen Sie unter: sonntag@kirchenzeitung.at



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